Stiftungen fördern Kreativität
Interview mit Oberkirchenrat Martin Kastrup über Stiftungen der evangelischen Landeskirche Württemberg
Stiftungen helfen den Kirchen sowohl finanziell, als auch in Hinblick auf neue Ideen rund um Glaube, Religion und Gesellschaft. Immer mehr kirchliche Stiftungen wurden in den letzten Jahren gegründet. Auch mit Blick in die Zukunft wird es weiterhin viele Stifter geben, schätzt der Finanzdezernent der Landeskirche, Martin Kastrup.

- Dr. Martin Kastrup, Oberkirchenrat für Haushalt und Finanzen der Württembergischen Evangelischen Landessynode. [Foto | EMH]
elk-wue: Welche Rolle spielen Stiftungen zurzeit für den Haushaltsplan der Landeskirche?
Martin Kastrup: Stiftungen nehmen von Jahr zu Jahr an Bedeutung für den Haushalt der Landeskirche zu. Aber in Hinblick auf die Gesamtgröße unserer Einnahmen, die bei etwa einer Milliarde Euro liegt, beläuft sich der Erlös der Stiftungen auf gerade mal 300.000 Euro im Jahr.
elk-wue: Können denn die Stiftungen in Zukunft, etwa in den nächsten fünf bis zehn Jahren, die Finanzlöcher des Haushaltes stopfen? Denn Verluste wird es auf Grund der sinkenden Geburtenrate und somit der rückläufigen Kirchensteuer-Einnahmen ja auf alle Fälle geben.
Martin Kastrup: Leider ist es in den nächsten Jahren nicht realistisch, dass das Defizit bei der Kirchensteuer durch Stiftungsgelder kompensiert werden kann. Dies liegt nicht daran, dass es weniger Stiftungen geben wird, sondern vielmehr an der Tatsache, dass mit Hilfe von Stiftungen kaum sogenannte Standardaufgaben der Kirchen bezahlt werden können. Denn Menschen, die Stiftungen ins Leben rufen, wollen damit meistens spezielle Projekte oder Menschen unterstützen. So gibt es häufig Stiftungszwecke für soziale kirchliche Einrichtungen oder Gruppen.
elk-wue: Auch wenn Stiftungen finanziell gesehen für die Landeskirche noch wenig profitabel sind, gibt es immer mehr Menschen, die eine Stiftung gründen. Woran liegt das?
Martin Kastrup: Da gibt es verschiedene Faktoren. Zum einen steckt hinter einer Stiftung häufig ein langfristiger Gestaltungswille, der auch über den Tod hinaus geht. Die Person will beispielsweise auch nach ihrem eigenen Leben eine Kirchengemeinde unterstützen.
Der zweite Grund für eine Stiftung ist die Dankbarkeit. Der Gläubige möchte etwas zurückgeben. Er hat positive Erfahrungen gesammelt und möchte der folgenden Generation mit seinem Geld etwas Gutes tun.
Aber auch die Tatsache, dass Kirche ein Ort der Zuverlässigkeit ist, bewegt viele Menschen dazu, sich mit einer Stiftung bei ihr zu bedanken.
elk-wue: In den letzten Jahren gab es einen enormen Aufschwung: Vierzig neue Stiftungen in nur vier Jahren. Kann man in den nächsten Jahren mit vielen neuen Stiftungen rechnen?
Martin Kastrup: Die letzten vier Jahre waren tatsächlich ein gelungener Anfang in Sachen Stiftungen. Das macht mich und vor allem die Landeskirche sehr glücklich. Deshalb hoffen wir auch, dass in naher Zukunft noch weitere Menschen kirchliche Stiftungen ins Leben rufen. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Kirche dadurch Gelder erhält, sondern vor allem darum, dass Dank der Stiftungen Menschen aktiv werden. Sie machen sich Gedanken, für welche kirchlichen Projekte sie eine Stiftung gründen wollen. Und dieses Engagement beflügelt wiederum andere Menschen. Die Phantasie der Spender und Profiteure ist angeregt. So entstehen neue Aktionen, die die Kirche nach vorne bringen.
elk-wue: Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Sarah-Lisa Angress.




