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"Wir müssen uns einmischen"


Interview mit der Beauftragen für Chancengleichheit, Ursula Kress

Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, ist kürzlich als Präsidiumsmitglied der Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD) gewählt worden. Warum sich ein Frauenverband in die Politik einmischen sollte – und wie er das künftig besser publik machen will.


Ursula Kress, Beauftragte für Chancengleichheit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg [Foto: privat]

elk-wue: Was sind Ihre Aufgaben im Präsidium des EFiD?
Kress:
Die Evangelische Frauenarbeit in Deutschland (EFiD e.V.), ist ein Dachverband mit 40 evangelischen Frauenverbänden und 3 Mio. Mitgliedern. Frauenverbandsarbeit hat viele Facetten. Da gibt es Frauengruppen, Frauenfrühstücke, den Fachverband für Frauengesundheit, die Evang. Akademikerschaft – aber auch diakonische Dienste oder die Arbeit mit Migrantinnen und vieles mehr. Diese Aufgaben werden in vielen Fällen von Ehrenamtlichen geleistet. Viele Frauen müssen mittlerweile arbeiten – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sie müssen Familie und Beruf unter einen Hut bekommen und haben deshalb weniger Freizeit. Darum ist für uns eine wichtige Frage, wie wir überhaupt ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gewinnen können. Außerdem wollen wir den EFiD zukunftsfähig machen. Das bedeutet: Welche Dienstleistungen brauchen die Verbände, die in diesem  Dachverband zusammen geschlossen sind, von uns?

elk-wue: Die EFiD hat in der Vergangenheit viele Forderungen erhoben: beispielsweise zur Präimplantationsdiagnositk, zur häuslichen Pflege, zur Atomenergie. Medial gehört wurden aber zu den Themen ganz andere kirchliche Player: Die Landessynode, der Landesbischof, der Ratsvorsitzende der EKD. Die EFiD-Erklärungen hingegen sind verpufft…
Kress: Genau darum geht es. Wir  fragen uns deshalb: Wie können wir unsere Positionen so darstellen, dass sie wirken und vor allem bekannter werden? EFiD wird  von der EKD finanziell getragen.Wenn wir eine gesellschaftliche Rolle spielen wollen, müssen wir uns in  vorparlamentarischer Arbeit stärken. Das hieße, wir müssten im Vorfeld von Entscheidungen mit Abgeordneten sprechen. Wir müssen bei der Meinungsbildung der Bevölkerung mitwirken, indem wir aufklären und gezielt z. B. Projektarbeit stärken.


elk-wue: Ein schwieriges Unterfangen angesichts der Prognosen, dass der Einfluss der Kirche in Zukunft immer weiter abnehmen wird…
Kress: Aber genau deshalb müssen wir uns noch stärker in gesellschaftspolitische Themen einmischen.

elk-wue: In Württemberg hat sich die Frauenarbeit schon mehrfach eingemischt. Wo waren Sie dabei besonders erfolgreich?
Kress:
Da denke ich sofort an das Thema Zwangsprostitution. Wir haben 2006 zur Fußball-WM in Deutschland begonnen, dieses Thema mit verschiedenen Aktionen zu besetzen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen. In der Folge gab es 2007 einen Synodalantrag, eine 30-Prozent-Koordinationsstelle wurde geschaffen, wir haben uns mit den frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen unterhalten, es gab einen Antrag im Landtag, den die Kirche wieder aufgegriffen hat – und der im Runden Tisch „Zwangsprostitution“ gemündet ist. Außerdem gibt es einen Kooperationsleitfaden Opferschutz: Darin ist festgelegt, wer für die Unterbringung zahlt, wo welcher Antrag abgegeben werden muss, damit die Frauen beispielsweise auch Arztkosten erstattet bekommen. Oder damit ihnen geholfen wird, eine Arbeit zu finden. Dafür gibt es auch einen so genannten Opferfonds in Höhe von 100.000 Euro, der vom Land bereit gestellt wird. So ist unbürokratische finanzielle Unterstützung möglich. Es hat sich bewährt, dass Justiz-, Innen- und Sozialministerium mit am Runden Tisch sitzen, denn so kann die Arbeit ressortübergreifend vernetzt werden.

elk-wue: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Nicole Marten

 


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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