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Hartmut Jetter


Oberkirchenrat i. R. Hartmut Jetter wird 80

Der promovierte Theologe, der nach seinem Abitur in Heilbronn zunächst eine Schreinerlehre absolvierte, stand von 1980 bis 1995 in der Kirchenleitung dem Dezernat für Theologie und Gottesdienst vor.


Warum feiern Sie Ihren Geburtstag, oder feiern Sie nicht?
Der 80. soll gefeiert werden, aber nicht am 30. März, der fällt in die Karwoche. Die gilt in unserer Familie als Stille Woche. Mein 50. Ordinationsjubiläum habe ich 2007 gefeiert und unseren 50. Hochzeitstag 2008, das war uns viel wichtiger. Meine Frau und ich haben, glaube ich, auch geahnt, dass unsere Kraft viel weiter nicht reicht. So war es dann auch. Am Sonntag nach Ostern gibt es eine kleine Feier in der Familie gemeinsam mit der Ortsgemeinde, ich stehe auch noch einmal auf der Kanzel an diesem Tag.

Worauf sind Sie stolz?
Auf was soll man stolz sein, wenn man gleichzeitig sagt: Alles im Leben ist Gnade, die einem  zuteil geworden ist? Die Ziele, die man erreicht hat, hat man immer nur dann erreicht, wenn andere mitgezogen haben. Und manchmal hat man auch Glück gehabt. Soll ich sagen: Ich bin stolz auf unsere Kinder? Stolz, dass der Schreinerlehrling von 1949, Hartmut Jetter, es so weit gebracht hat? Oder soll ich stolz sein auf den einen oder anderen Schüler, den ich an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd gehabt habe?

Wofür setzen Sie sich ein?
Erstens: Als Religionspädagoge setze ich mich nach wie vor fürs Auswendiglernen ein, und wenn das noch so quer in der Landschaft steht. Vor über 40 Jahren hat die Diskussion über das angeblich sinnlose Pauken im Unterricht begonnen. Ein paar Liedverse, Psalmen, zwei bis drei Grundtexte … Man muss doch mal gemeinsam ein Lied singen können, ohne dass deswegen schon Blätter gedruckt werden. Ein paar Elementartexte sollte jeder Christ intus haben. Zweitens: für liturgische Erziehung. Als mir wichtiges Beispiel das Lesen und Vorlesen. Im Allgemeinen wird im Gottesdienst schlecht gelesen, nicht nur von Lektoren, sondern auch von Pfarrern und Pfarrerinnen. Die müssten sich ein bisschen mehr anstrengen, anstatt sich aufs Mikrofon zu verlassen. Und nach der Lesung und nach dem Gebet gehört das „Amen“ der Gemeinde.

Wie kommen Sie zur Ruhe?
Spät, aber nicht zu spät habe ich schöngeistige Literatur entdeckt. Als ich im Oberkirchenrat arbeitete, hatte ich dafür keine Zeit. Diese Musestunden geben mir vielfach Ruhe zurück nach vielen unruhigen Jahren. Schriftsteller des 19.  und frühen 20. Jahrhunderts sind es: Adalbert Stifter, Wilhelm Raabe, Ernst Wichert, auch Werner Bergengruen und Jochen Klepper. Und zum Tagesschluss: ein Stück am Klavier, ein Abendlied, eine Fuge, ein Chorsatz mit Erinnerungen an meine Chöre von früher.

Was macht Sie zuversichtlich?
Pfingsten. Dieses Fest trägt die Verheißung: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen.“ Das Bekenntnis der Kirche im Ungeist, in der Hybris und in der ewigen Sensationslust unserer Zeit lautet: Uns ist der Geist der Liebe und der Kraft und der Besonnenheit verheißen. Das lässt mich zuversichtlich sein.

Was wünschen Sie sich: für sich selbst, für unsere Kirche, für unsere Welt?
In meinem Leben gab es durchaus Wünsche, die offen geblieben sind. Aber heute sind es keine Wünsche mehr. Ich hätte mir so sehr gewünscht: eine solide Ausbildung an der Orgel, dafür hatte ich keine Kraft und Zeit, oder ein Freisemester, das war damals noch gar nicht möglich. Für mich habe ich nur noch einen Wusch: In den Tagen, die mir noch gegeben sind, möchte ich bei klarem Verstand und klarem Glauben bleiben. Für unsere Enkel wünsche ich mir, dass sie was Tüchtiges lernen können und ihren Platz im Leben finden, wo sie auch für ihre Mitmenschen etwas bedeuten. Und für meine Kirche wünsche ich mir: Vertrauen, Mut, Offenheit.


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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