Eberhard Renz
"Mission und Ökumene sind die Themen meines Lebens"
Altlandesbischof Eberhardt Renz feiert am 1. Mai 2010 seinen 75. Geburtstag. Er freut sich darauf, denn so kommt die ganze, weit verstreute Familie wieder zusammen.
Warum feiern Sie Ihren Geburtstag, oder feiern Sie nicht?
Schon um die weit verstreute Familie wieder beisammen zu haben, feiern wir den Geburtstag. Ganz bewusst tun wir dies auf der Schwäbischen Alb und im Stift Urach, um den Kindern und Enkeln zu zeigen, wo meine Wurzeln sind und wo ich - damals im Uracher Seminar - die letzten Schuljahre verbracht habe.
Worauf sind Sie stolz?
Darüber habe ich nie nachgedacht! Viel eher weiß ich, wofür ich dankbar bin: dankbar für ein außergewöhnlich spannendes und abwechslungsreiches Leben an sehr verschiedenen Orten dieser Erde; dankbar für höchst unterschiedliche Menschen, von denen ich gelernt habe und die mich unterstützt haben in den verschiedenen Aufgaben, die mir übertragen wurden, ob als Pfarrer, als Missionar in Kamerun oder im Bischofsamt; dankbar für meine Frau Annemei, die alles mit mir geteilt hat, mir in allen Dingen Mut gemacht hat, und mich korrigierte, wo es nötig war; dankbar auch für unsere beiden Söhne, die mit liebevollem Interesse die Tätigkeiten der Eltern auch aus der Ferne begleitet haben.
Was haben Sie früher für wichtig gehalten, was halten Sie heute für wichtig? Wofür setzen Sie sich ein?
Mission und Ökumene sind die Themen, die mich mein Leben lang begleitet haben, ersteres schon als Enkel eines Indienmissionars, letzteres seit meiner ersten Vikarsstelle in Rottenburg und meinem Studienaufenthalt in Indien als Stipendiat des Lutherischen Weltbundes. Das heißt mich einsetzen: für ausgleichende Gerechtigkeit weltweit wie in unserer eigenen Gesellschaft, für gegenseitige Rechenschaft über unser Denken und Tun gegenüber den Kirchen in aller Welt, für die Hoffnung, „die in uns ist“ und die wir weitergeben wollen bis ans Ende der Erde. Aus der Mitarbeit im Ökumenischen Rat der Kirchen waren und sind mir diese Aufgaben wichtig.
Wie kommen Sie zur Ruhe?
Gelegentlich haben mir in den vergangenen fünf Jahren Aufenthalte im Krankenhaus zu unfreiwilliger Ruhe verholfen! Es ist nicht immer leicht, Anfragen abzulehnen, solange ich mich gerne (und jetzt auch mit mehr Zeit) mit Themen und Bibeltexten beschäftige. Aber Enkelkinder, Bücher, Garten und Wandern auf der Schwäbischen Alb verhelfen mir zu ganz anderer Ruhe.
Was macht Sie zuversichtlich?
Im Rückblick sehe ich ganz erstaunliche und überraschende Wendungen in meinem Leben, meist solche, die ich nicht geplant hatte. Was ich dabei erlebt und erfahren habe, ist eine tiefgründige Gewissheit, dass Gott mich bei jedem dieser Schritte in ein neues Feld begleitet, und die feste Zuversicht, dass der Heilige Geist immer die schwerere Hälfte übernimmt.
Was wünschen Sie sich: für sich selbst, für unsere Kirche, für unsere Welt?
Ich wünsche mir in dieser Welt eine Christenschar, ob klein oder groß, die etwas ausstrahlt von der Hoffnung und Zuversicht, die unser Glaube in sich trägt; Nachfolger Jesu Christi, die sich nicht verstecken, sondern ein fröhliches, unerschrockenes und selbstbewusstes Zeugnis von unserem Herrn ablegen können, jederzeit und überall.





