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Christoph Schweikle


Die Württembergische Evangelische Landessynode hat 2012 zum "Jahr des Gottesdienstes" erklärt. Dazu gehört eine Projektstelle, die der württemberger Pfarrer Christoph Schweikle voraussichtlich im September 2010 antreten wird. Noch ist er Pfarrer in Guatemala und El Salvador. elk-wue stellte ihm Fragen zum geplanten „Jahr des Gottesdienstes".


Christoph Schweikle

elk-wue: Was sind Gründe für Sie, nicht in den Gottesdienst am Sonntagmorgen zu gehen?


Christoph Schweikle: Der absolut einzige Grund für mich ist, wenn kein Gottesdienst erreichbar ist, etwa bei einer Dschungelwanderung oder Bergtour. Im Urlaub fanden meine Kinder es zuweilen etwas anstrengend, sich Sonntagmorgens auf die Suche nach einer Kirche zu machen, danach waren sie aber meist zufrieden über eine neue Erfahrung.

elk-wue: An welchen besonderen Moment in einem Gottesdienst erinnern Sie sich?


Christoph Schweikle: An jede Menge besondere Momente, von denen viele mit Musik zu tun haben. Besonders ragt das Abendmahl heraus mit dem Friedensgruß.

elk-wue: Wie viele Menschen kommen zu Ihren Gottesdiensten im Durchschnitt? Und wie viele Besucher wünschen Sie sich?


Christoph Schweikle: In Guatemala etwa 35, (an Ostern 100, am Heiligen Abend um die 300) was bei 200 Gemeindemitgliedern schon ganz befriedigend ist. In San Salvador sind es 30 bis 40 der 50 Gemeindemitglieder bei den zweimonatlichen Gottesdiensten. Wünschen würde ich mir mehr Beteiligung von Familien mit Kindern, die sind aber oft das ganze Wochenende unterwegs.

elk-wue: Gemeinden sollen „ in ihren Bemühungen um ansprechende Gottesdienste“ unterstützt werden, heißt es in einem Antrag der Synode zum Jahr des Gottesdienstes, was ist für Sie ein „ansprechender Gottesdienst“?

Christoph Schweikle: Zunächst ein Gottesdienst, der die Menschen buchstäblich anspricht, der also nicht nur „nach dem Buch“ abgespult wird, der aber andererseits auch keine Show ist, bei der man hauptsächlich in die Zuschauerrolle versetzt wird. Ich glaube, dass eine stimmige Vermittlung von Gewohntem und Überraschendem anspricht, sowie ein Ernstnehmen der verschiedenen Befindlichkeiten, geistlichen Standorte und kulturellen Stile der Mitfeiernden. Im tiefsten spricht ein Gottesdienst an, bei dem Menschen Gott begegnen und seinen Geist spüren können.

elk-wue: Das Zentrum für evangelische Predigtkultur will Pfarrerinnen und Pfarrer schulen, kreativer zu werden beim Predigen. Sind langweilige Predigten der Hauptgrund für schwindende Besucherzahlen in den Sonntagsgottesdiensten?


Christoph Schweikle: In der evangelischen Kirche sind die Erwartungen an die Predigt hoch – zu Recht. Ich erlebe öfter, dass Kollegen und Kolleginnen sich dadurch unter Druck gesetzt fühlen, was sich unter anderem in „langweiligen“, verkrampften und unverfänglich-glatten Predigten niederschlägt. Ansprechendes Predigen hängt weniger von rhetorischen Fähigkeiten ab als vom Mut der Predigenden, Menschen geistlich nähren und führen zu wollen. Übrigens: Wer mit der Predigt unzufrieden ist, sucht eher einen anderen Gottesdienst, als dass er ganz weg bleibt. Die schwindende Akzeptanz des Sonntagsgottesdienstes sehe ich mehr in einer wachsenden Fremdheit gegenüber der Liturgie begründet, die Schwellenängste auslöst. Vielfach wird der Gottesdienst auch als eine offiziöse Pflichtveranstaltung wahrgenommen und nicht als ein lebendiges Begegnungsgeschehen und ein lebenseröffnendes Fenster im Alltag.

elk-wue: Was kann uns ein „Jahr des Gottesdienstes“ bringen?


Christoph Schweikle: Das Jahr des Gottesdienstes will den Gottesdienst ins Gespräch bringen, unter den Akteuren wie unter den Gemeindegliedern. Es will entkrampfen und ermutigen, einladen und neue Erfahrungen vermitteln durch Bewusstseinsbildung, verbesserte Kommunikation unter den Beteiligten und eine offene Rückmeldekultur. Es will die Erkennbarkeit von Gottesdiensten fördern, indem es die liturgische Tradition würdigt und zugleich aufzeigen, welche kreativen Spielräume darin eröffnet werden. Der Gottesdienst steckt voller Anknüpfungspunkte und Chancen, gerade für Menschen unserer Zeit. Diese gemeinsam aufzusuchen und auszuloten wird neue Freude am Gottesdienst wecken, da bin ich total zuversichtlich.


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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