Andreas Rößler
Früherer Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblatts wurde 70
Der frühere Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblattes für Württemberg, Andreas Rößler, beging am 18. April 2010 seinen 70. Geburtstag. Der württembergische Pfarrer setzt sich nach wie vor dafür ein, theologische Themen und Inhalte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Warum feiern Sie Ihren Geburtstag, oder feiern Sie nicht?
Ich feiere meinen 70. Geburtstag im engsten Kreis, mit meiner Frau, den beiden Töchtern, dem Schwiegersohn und den beiden Enkelsöhnen. Geruhsam, ohne Stress und ohne Aufhebens um meine Person, das ist mir am liebsten.
Worauf sind Sie stolz?
Ich bin dankbar für ein gutes Elternhaus, für meine Familie, für ein erfreuliches Umfeld, für den Pfarrer-Beruf, der mir in den verschiedenen Stadien (als Gemeindepfarrer, als Pfarrer in der ökumenischen Erwachsenenbildung, als Chefredakteur des Evangelischen Gemeindeblatts für Württemberg) durchweg Freude gemacht hat und der mich im Ruhestand nicht loslässt: in der Begegnung mit Menschen, im Predigen, in Vorträgen, in der Publizistik. Ich bin dankbar für die Gelegenheit, zu schreiben und zu veröffentlichen. Es freut mich, wenn mir Leute sagen, ich könne mich verständlich ausdrücken, ich könne ihnen angesichts ihrer Zweifel weiterhelfen und ich hätte ihnen geholfen, ihren christlichen Glauben mit ihrem Wahrheitsbewusstsein zu verbinden. Es freut mich, wenn mir bescheinigt wird, ich sei bei entschiedener eigener Überzeugung gegenüber anderen Auffassungen und Glaubensweisen fair und verzichte auf Polemik. Stolz bin ich darauf, evangelischer Christ in freiheitlicher, offener Ausprägung zu sein.
Was haben Sie früher für wichtig gehalten, was halten Sie heute für wichtig?
Wichtig ist mir, früher wie heute, das Bemühen um eine humane Lebensführung, mit dem Dreiklang Wahrhaftigkeit, Liebe, Freiheit. Den „konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung“ halte ich für notwendig, und zwar mit und ohne religiöse Vorzeichen. Heute ist mir mehr denn je die „Ehrfurcht vor der Wahrheit“ (Albert Schweitzer) wichtig, also die Wahrheitsfrage als die Frage „nach dem, was uns unbedingt angeht“ (Paul Tillich). Dazu kommt der Nachdruck auf ein „elementares Denken“ (Schweitzer), eine Haltung der Nachdenklichkeit, die auch selbstkritisch sein lässt und für die Frage nach dem Sinn des Daseins öffnet, und schließlich die Einsicht in den symbolisch-gleichnishaften Charakter unserer Vorstellungen von Gott (Tillich), der immer größer ist als alles Vorstellbare und Erkennbare.
Wofür setzen Sie sich ein?
Ich setze mich etwa ein für die Verbindung von Erfahrung, Vernunft und Glaube. Nirgends brauchen wir in der Religion ein „Opfer der Vernunft“ zu bringen. Ferner setze ich mich ein für eine Verständigung zwischen den verschiedenen Richtungen im Protestantismus, die sich auf bestimmte „Fundamentalartikel“ einigen sollten, die dann für unterschiedliche Auslegungen offen sein können; für eine Verständigung zwischen den christlichen Konfessionen, bei denen ja das Einigende mehr wiegt als das Trennende; und auch für eine Begegnung zwischen den Religionen, in der man auch um eine immer bessere Wahrheitserkenntnis ringen sollte. Nicht zu vergessen ist aber auch der Gedankenaustausch mit Atheisten, denen gegenüber wir unseren Gottesglauben elementar zu begründen haben.
Wie kommen Sie zur Ruhe?
Da kann ich einiges aufzählen: Zusammensein mit der Familie und Begleitung meiner beiden Enkelsöhne; Klavierspielen und Orgelspielen; Lektüre und wissenschaftliches Arbeiten; Pflege meiner Bibliothek und meines Archivs von Zeitungsausschnitten und anderen Materialien; Schwimmen und Gartenarbeit; Zusammensein mit Freunden und Geistesverwandten.
Was macht Sie zuversichtlich?
Trotz mancher Ängste und Zweifel, von denen niemand verschont bleibt, gewinne ich Zuversicht durch den Glauben, dass Gott nicht nur Urgrund, sondern auch Ziel und Erfüllung von allem ist, dass also alles gut sein wird, was auch immer jetzt dagegen sprechen mag.
Was wünschen Sie sich: für sich selbst, für unsere Kirche, für unsere Welt?
Ehrliche, unvoreingenommene Wahrheitssuche ist nötig. Egoismus, Hass und Gewalt müssen abgebaut werden. Wir brauchen ein Empfinden für Menschenwürde, ein soziales Gewissen, Zivilcourage und Toleranz. Ich wünsche ein Ja zu den eigenen Grenzen und zur von Gott gesetzten Endlichkeit und damit Humor und Gelassenheit. Speziell für die Kirche wünsche mir, dass sie ein Ort einer Freiheit ist, die sich aus der Bindung an Gott und aus dem Geist Jesu speist, und dass von ihr befreiende, heilende Kräfte ausgehen.





