"Zu Bethlehem geboren"
Ein weihnachtlicher Besuch im schwäbischen "Bethlehem" bei Pfullendorf

- Ein Schild weist den Weg nach Bethlehem [Foto: EMH]
Vor dem kleinen Häuschen steht ein kleiner Tannenbaum mit elektrischer Weihnachtsbeleuchtung.
Im Haus wohnt Stefan Schweikart mit seiner Frau Maria. Mit dem Jesuskind höchstpersönlich hat Stefan Schweikart eine Sache gemeinsam: Beide sind "zu Bethlehem geboren". Der eine vor rund 2000 Jahren in Israel, der andere vor über 77 Jahren in Baden-Württemberg.
Weit im Süden des Landes, in der Nähe von Pfullendorf im Landkreis Sigmaringen liegt das schwäbische "Bethlehem" - ein Weiler am Waldrand, einen Kilometer vom Pfullendorfer Ortsteil Gaisweiler entfernt. Neun Einwohner, zwei Häuser, eine Scheune, eine Garage - viel mehr gibt es nicht in Bethlehem. Immerhin aber ein eigenes Ortsschild. Stefan und Maria Schweikart leben gerne in dieser Einsamkeit. "Ich bin hier auf die Welt gekommen und kenne nichts anderes", sagt Stefan Schweikart, "gute Waldluft ist auch was wert!"

- Stefan und Maria Schweikart
In einem Ort namens Bethlehem zu wohnen, ist für die Schweikarts nichts Besonderes, erzählen sie. Auch Weihnachten feiern sie hier "ganz gewöhnlich, wie überall anders auch." Christbaum, Krippe und Kirchgang gehören fest dazu, genauso wie der Weihnachtsbraten.
Wie der kleine Ort zu seinem biblischen Namen gekommen ist, ist nicht ganz klar. Stefan Schweikart erzählt die Geschichte von einem Zimmermann, der hier ein Haus samt Kuhstall gebaut haben soll:
"Wegen der Wärme lag das Schlafzimmer direkt über dem Stall. Aber die Kühe waren häufig sehr unruhig und die Frau des Zimmermanns ärgerte sich jede Nacht über den Lärm." Eines Nachts soll sie dann gesagt haben, "das ist hier ja wie in Bethlehem". Der Ortsname war geboren.
Vielleicht hat der Weiler seinen Namen aber auch vom "Eselsweg", der am schwäbischen Bethlehem vorbei führt oder vom benachbarten "Ochsenbühl".
Ochs, Esel und einen Stall sucht man heutzutage vergeblich. Früher war das anders: "Da haben wir Kühe gehabt", erinnert sich Schweikart und fügt lachend dazu, "aber die Esel waren wir selber!"
Das Ehepaar sitzt auf dem alten Sofa in ihrer kleinen, gemütlichen Wohnstube und schaut aus dem Fenster: "Immer wieder mal zieht hier auch ein Schäfer mit seinen 350 oder 400 Schafen vorbei, das ist immer ein netter Anblick", erzählen sie. "Hier auf der Wiese fressen die Schafe dann etwas und der Schäfer sagt kurz bei uns Grüß Gott!" Die biblische Weihnachtsgeschichte lässt grüßen.

- Das Ortsschild von Bethlehem [Foto: EMH]
"Stefans Bruder hat sogar Josef geheißen", erzählt die fast 81-jährige Maria Schweikart. "Wenn sie ihn geheiratet hätte, wären Maria und Josef beieinander gewesen", ergänzt ihr Mann und schmunzelt.
Vor rund 2000 Jahren hat laut Bibel ein großer heller Stern den "Weisen aus dem Morgenland" den Weg zum Geburtstort Jesu gewiesen. Auf das schwäbische Bethlehem bei Pfullendorf macht ebenfalls ein gelber Stern aufmerksam, als leuchtender Wegweiser im Wald. Und tatsächlich kommen öfters Wanderer oder neugierige Autofahrer vorbei, beobachtet Stefan Schweikart: "Ich hab schon Autos mit Kennzeichen aus Balingen, Rottweil, Reutlingen oder der Waldshuter Gegend gesehen. Die gucken was hier los ist, fotografieren das Ortsschild und fahren wieder."
Das Weihnachtslied "Zu Bethlehem geboren" ist dem Ehepaar Schweikart bestens bekannt. Für Stefan Schweikart hat es eine ganz persönliche Bedeutung: Er kann im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied davon singen. Vielleicht macht er das jetzt zu Weihnachten vor einem kleinen Tannenbaum mit elektrischer Beleuchtung, der vor einem kleinen Häuschen steht im schwäbischen "Bethlehem".
Matthias Huttner
Druckfähiges Bildmaterial steht unter
http://www.elk-wue.de/aktuell/bildmaterial/bethlehem/
zur Verfügung.




