„Weltweit Wichteln“ – Aktion verbindet Kinder weltweit
Grundschüler basteln Wichtelpuppen für ihre Partnerschule in Ecuador
"Hallo liebe Kinder, ich bin der Pumuckl und ich brauche noch ganz viele Freunde.“ 24 Augenpaare sind auf die Puppe gerichtet, die Kinder lauschen gespannt. Die Erzieherin Petra Rösch spricht über die rothaarige Handpuppe zu den Kindern.
„Heute bastelt jeder einen Wichtel. Diese schicken wir dann zusammen mit einem Brief an unsere Partnerschule in Ecuador“, erklärt Petra Rösch. Wie der Wichtel aussehen wird, bleibt den jungen Künstlern überlassen. Verschiedene Materialien stehen bereit, um die bislang weiße Handpuppe aus Baumwolle zu gestalten. Den Ideen der Kinder sind keine Grenzen gesetzt. Kreativität ist gefragt. Mit Stoffmalfarben werden Gesichter gemalt, Haare aus Filz aufgeklebt oder angenäht. Knöpfe, Wolle und vieles mehr sind im Einsatz, die Puppe zu schmücken. Die Kinder der Johannes-Brenz-Schule sind eifrig am Werk.
Fairer Handel für mehr Gerechtigkeit
Carolin Starz betrachtet das bunte Treiben. Sie ist für die Koordination und Öffentlichkeitsarbeit der Aktion „Weltweit Wichteln“ zuständig. Seit 2005 läuft sie mit großem Erfolg. Entscheidend bei diesem Projekt seien vor allem drei Punkte, fasst Carolin Starz zusammen. „Die Kinder sollen etwas über andere Kulturen, andere Länder und deren Lebensgewohnheiten lernen. Auch Toleranz und Offenheit sollen damit gefördert werden, bewusst auch für andere Religionen.“ Außerdem will man die Idee des fairen Handels bekannter machen. Die Kinder sollen lernen, was das bedeutet. Zudem sollen sie für mehr Gerechtigkeit begeistert werden. „Weltweit Wichteln“ bietet außerdem eine einzigartige Möglichkeit der Partnerschaft. „Entscheidend ist hierbei, dass ein Kontakt auf Augenhöhe möglich wird. Die Kinder in den anderen, oftmals ärmeren Ländern, wie hier in Ecuador, bekommen keine riesigen Geschenke aus Deutschland. Dadurch fühlen sie sich besser angenommen, denn sie stehen nicht in der Schuld. Vielmehr wird ein Austausch unter gleichen Partnern gefördert.“ erklärt die Koordinatorin weiter.
Landesbischof unterstützt „Weltweit Wichteln“

- Ganz unterschiedliche Puppen sind bei der Bastelaktion entstanden.
Als Schirmherr von „Weltweit Wichteln“ wirbt auch Landesbischof Frank Otfried July für das Projekt. Er betont: „Durch die Aktion lernen Kinder schon früh, wie man sich mit anderen Völkern verständigt – mithilfe der Handpuppen und durch den Kontakt zu Kindern in anderen Ländern erleben sie christliche Verbundenheit im weltweiten Horizont ganz konkret.“
Diesen lebendigen Bezug erkennt auch die Erzieherin Petra Rösch als bedeutendes Element. Denn ganz nebenbei bekämen die Kinder durch diese Aktion aufgezeigt, dass Wohlstand nicht selbstverständlich ist. Und wie wichtig es ist zu teilen. „Das sollen unsere Kinder erkennen. Sie sollen über die Grenzen hinaus denken und Weitblick bekommen.“ sagt die Erzieherin.
Bei einigen der Kleinen scheint dieser Wunsch schon angekommen zu sein. So erzählt die 9-Jährige Antonia, während sie ihrer Wichtelpuppe die Haare aufklebt: „Die Kinder in Ecuador sind viel ärmer als wir. Die Puppe ist vielleicht der Ersatz für ein Weihnachtsgeschenk. Mir würde es auch nichts ausmachen, wenn ich nichts zurück bekomme. Zu Hause gibt es für mich genügend Geschenke. Und die sind mir nicht das Wichtigste. Ich will, dass sich die Kinder über die Puppe freuen und mit ihr spielen.“

- Schau mal, hier!
Die Schüler der Johannes-Brenz-Schule haben in den letzten Wochen bereits viel über Ecuador, das Leben dort und den fairen Handel gelernt. Ihr Klassenlehrer Torge Hinsch hat ihnen vermittelt, was Fairer Handel bedeutet und was unfair ist. An Beispielen aus ihrem Alltag hat er das Thema nachvollziehbar gemacht.
So rechnete er an einer Tafel Schokolade vor, welch kleiner Teil davon nur beim Bauern in Ecuador bleibt. „Bei 100 Cent pro Schokolade sind das nur circa 2-3 Cent, die beim Bauern ankommen. Fair kaufen bedeutet einfach, dass die vielen Zwischenhändler ausgeklammert werden. Das war doch sehr eindrücklich für die Kinder.“ berichtet der Pädagoge.
Weltweiter Briefkontakt

- Ziemlich bunt, die Puppen.
Die 8-jährige Lena hat an die Kinder der Partnerschule in Ecuador sogar noch einen kleinen Brief formuliert. „Liebe Partnerschule“, schreibt sie, „ich wünsche Euch alles Gute und frohe Weihnachten. Hoffentlich werden die Kranken bald wieder gesund. Hoffentlich gefallen Euch die Puppen. Viele liebe Grüße von Lena.“ Händeringend sucht sie jetzt nach jemandem, der ihr den Brief ins Spanische übersetzen kann. Denn Lena weiß, „das muss sein, sonst können ihn die Kinder dort gar nicht verstehen.“ Nach Ecuador reisen würde sie, wenn sie groß ist, vielleicht auch gerne, jetzt ist aber der Wichtelkontakt erst einmal wichtiger.
„Was die Kinder heute hier an Ideen und Freude rein gesteckt haben, das werden die Kinder in Ecuador spüren.“ meint Petra Rösch, während sie Lenas Brief in einen Umschlag steckt.
Juliane Baumgarten
Direkter Kontakt:
Weltweit wichteln
Öffentlichkeitsarbeit und Koordination
Carolin Starz
Vogelsangstraße 62
70197 Stuttgart
Telefon:0711 63678-44
Fax: 0711 63678-45
Stuttgart, 19. Dezember 2008. Weltweit wichteln ist offizielles Projekt der UN-Dekade für den Zeitraum 2009/2010. Bei der Auszeichnung handelt es sich um eine symbolische Anerkennung der Vereinten Nationen für Weltweit wichteln. Sie gilt für das Engagement im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung, besonders in der Sichtbarmachung der Aktivitäten im Rahmen der deutschen Umsetzung der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Weltdekade der Vereinten Nationen 2005-2014.
Die offizielle Urkundenübergabe wird im Rahmen des UNESCO-Tages auf der Bildungsmesse didacta am 11. Februar 2009 in Hannover stattfinden. Herr Prof. Dr. Gerhard de Haan, der Vorsitzende des Nationalkomitees, wird die Urkunde überreichen.






