Verantwortung übernehmen, wenn es an der Zeit ist
Eine Frauenquote gibt es in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nicht. Doch immer mehr Frauen nehmen Führungspositionen innerhalb unserer evangelischen Kirche ein. Jetzt ist auch die Stelle der Personalreferentin mit einer Frau besetzt. Am 14. März – wenige Tage nach dem internationalen Frauentag – ist die Pfarrerin und Kirchenrätin Kathrin Nothacker in ihr Amt eingesetzt worden.

- Kathrin Nothacker Fotograf: Marco Vucic
Kathrin Nothacker hat ihr Büro in der Kirchenleitung, dem Evangelischen Oberkirchenrat, bereits bezogen. Es wirkt hell und freundlich, auf der gläsernen Tischplatte steht ein Blumenstrauß. Die hellen, blauen Augen schauen aufgeweckt. Die zierliche Frau scheint selbst neugierig zu sein, was dieser Job mit sich bringt.
Die gebürtige Pforzheimerin nimmt mit der Stelle eine Führungsposition in der Landeskirche ein, die auf dieser Ebene noch immer eher männerdominiert ist. Ihre Aufgabe besteht darin, die rund 2000 Pfarrerinnen und Pfarrer in Stellen zu vermitteln und sie in ihrem Dienst zu begleiten. Ob es Mut braucht, ein solches Amt anzunehmen? „Diese Verantwortung für den Pfarrdienst nehme ich nicht auf die leichte Schulter. Aber es ist ein Leitfaden in meinem Leben, Verantwortung zu übernehmen, wenn es an der Zeit ist“, erklärt die Frau mit den blonden Haaren bestimmt. „Da braucht es natürlich auch ein bisschen Courage, die Herausforderung anzunehmen“.
Ihr liegt daran, den Menschen genau zuzuhören und sie dadurch kennenzulernen. Gemeinsam mit den Pfarrerinnen und Pfarrern, die ein neues Wirkungsfeld suchen, möchte sie deren Begabungen und Fähigkeiten erkennen und mit ihnen auf dieser Grundlage neue Perspektiven entwickeln. „Für mich hat große Priorität, dass Personen gabenorientiert untergebracht werden“, betont Nothacker und entschärft damit das ungeschriebene Gesetz, dass jeder Pfarrer überall einsetzbar sei.
Theologie zwischen Herd und Spätzlesdrücker
Nothacker, die mit dem Leonberger Schuldekan Søren Schwesig verheiratet ist, hatte schon immer Interesse an Theologie. „Aus meiner Jugend habe ich die Erinnerung, dass die Familie nach dem Gottesdienst in der Küche stand und bei den Vorbereitungen zum Mittagessen über die Predigt diskutiert hat“, erzählt die Pfarrerstochter mit einem Schmunzeln. Ursprünglich wollte sie Theologie in Verbindung mit Germanistik auf Lehramt studieren, merkte aber während ihres sozialen Jahres in Israel, dass sie ein „ganzes“ Theologiestudium machen wollte. Der Pfarrdienst ist ihr seit jeher vertraut, dennoch stellte sie fest, dass ihr Vater sein Pfarramt als Mann anders ausfüllte als sie als Frau: „Ich hatte keine enge Vorstellung, was sein muss. Ich war einfach eine Frau, die in den Pfarrdienst ging und es an vielen Stellen einfach anders machte.“ Nothacker, die acht Jahre auch als Kommunalpolitikerin tätig war, erzählt, dass ihre Zeit in Israel und das Studium ihr politisches Bewusstsein geschärft und ihren Horizont in Bezug auf das Judentum erweitert habe. „Das Engagement in der Welt ist für mich etwas ganz Zentrales“, betont die Pfarrerin.
Das eigene Elternhaus, der Auslandsaufenthalt, Studium, Politik, Familie und Beruf – alles trug Stück für Stück dazu bei, aus Kathrin Nothacker die Frau zu machen, die sie heute ist: Voller Respekt vor der Aufgabe, die sie dann aber zuversichtlich anpackt.
Sie wirkt ruhig und überlegt. Ab und zu tippt sie mit den Fingerspitzen auf die Glasplatte des Tisches, bevor sie mit ihrer warmen Stimme von der Transparenz bei der Stellenvergabe spricht. Oder von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Beruf und Familie – ein immer währender Spagat?
Nothacker, selbst Mutter zweier Töchter, liegt dieses Thema sehr am Herzen. Aus eigener Erfahrung empfiehlt sie, sich Netzwerke zu schaffen, sodass kurzfristige Kinderbetreuung, zum Beispiel durch Gemeindemitglieder, möglich werde. Der Pfarrdienst biete viele Variationsmöglichkeiten, Familie und Beruf zusammenzubringen.
Nothacker, die selbst in ihren ersten Berufsjahren mit solcherlei Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, weiß um die Bedenken junger Kolleginnen. „Ich habe kein Patentrezept, aber ich habe damals erkannt, welche ungeheuren Chancen der Pfarrdienst für Vereinbarkeit von Familie und Beruf birgt. In der Freiheit, wie ich meinen Beruf fülle und meinen Dienst gestalte“, erinnert sich die 45-Jährige, für die ihre Familie einen entspannenden Gegenpol zur Arbeit darstellt.
Doch Kathrin Nothacker ist eben nicht nur Mutter, sondern auch auf der Karriereleiter recht weit oben angekommen. Und sie möchte andere Frauen auch in Leitungsfunktionen sehen. Sie ermuntert daher speziell junge Pfarrerinnen dazu, mit umfangreicheren Dienstaufträgen in den Pfarrdienst einzusteigen, damit der Sprung von einer reduzierten Stelle in eine Leitungsaufgabe nicht zu groß wird. „Frauen bringen so viele Qualifikationen mit, auch in diesem Doppelpack Familie und Beruf. Trotzdem ist eine Basis, die die gesamte Bandbreite des Pfarrdienstes darstellt, sehr hilfreich“, erklärt Nothacker im Hinblick auf den Erfahrungshorizont, der dadurch entsteht und für eine eventuelle Personalführung wichtig ist. „Ich möchte wirklich dazu ermuntern, den Mut aufzubringen, diesen Schritt zu wagen“, sagt sie bestimmt. „Mit einer guten Selbstorganisation kann man viel schaffen, das würde ich gern noch forcieren.“ Mit vielem ist sie recht zufrieden in ihrer Kirche, mit den vielen intakten Kirchengemeinden und „den fähigen, motivierten Pfarrerinnen und Pfarrern“. Doch in den Führungspositionen der Kirche, da könnten es noch mehr Frauen sein.
Franziska Gruner
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