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„Schwäbisch-afrikanische“ Kinderkirche


In Deutschland fehlen mancherorts die Kinder, in Kamerun die Mittel für gute Arbeit

Der Württembergische Evangelische Landesverband für Kindergottesdienst e.V. arbeitet eng mit der Sunday School (Kinderkirche) der Presbyterian Church in Cameroon (PCC) zusammen. In diesem Jahr haben die Württemberger ihre Freunde aus Kamerun nach Deutschland eingeladen. Die Begegnung soll den Austausch über die Kinderkircharbeit in der Praxis ermöglichen. Aber der Besuch läuft in diesem Jahr zwangsläufig anders ab als geplant.


Der Kinderkirchverband mit seinem afrikanischen Gast.

Eine sechsköpfige Delegation aus Kamerun hat der Kinderkirchverband eingeladen. Das Programm steht, ist straff durchorganisiert und gut vorbereitet. Denn den Gästen aus Kamerun soll hier etwas geboten werden. Dann die enttäuschende Nachricht: Von den sechs eingeladenen Kinderkirchmitarbeitern aus Kamerun darf nur einer, der Kindergottesdienstpfarrer Dr. Julius Ngwa, nach Deutschland kommen. Den anderen versagt die deutsche Botschaft wegen Visaproblemen die Einreise. Trotz dieser Schwierigkeiten lässt sich der Kinderkirchverband rund um den Kinderkirchpfarrer Martin Schoch und seinen Gast aus Kamerun aber nicht von der eigentlichen Arbeit abhalten.


Unterstützung für Kamerun

Martin Schoch, Julius Ngwa und Achim Pantle freuen sich über den regen Austsausch.

Seit den 1970er Jahren besteht ein reger Austausch in der Kinderkircharbeit zwischen den Württembergern und der Presbyterian Church in Cameroon.  „Wir unterstützen unsere Freunde in Kamerun durch die Übernahme der Druckkosten für die „Lesson Notes“, das dortige Kinderkirchmaterialheft“, erklärt Pfarrer Achim Pantle, der erste Vorsitzende des Württembergischen Evangelischen Landesverbandes für Kindergottesdienst. Rund 2000 Exemplare der „Lesson Notes“ werden pro Jahr gedruckt. Darin stehen Lieder und Gebete. Die Kinderkirchmitarbeiter brauchen dieses Vorbereitungsheft bei der praktischen Arbeit.
Zudem wird mit Hilfe eines Fonds Geld für die Gemeinden in Kamerun gesammelt. Das kommt dort kleinen Projekten zugute. Beispielsweise wird der Bau von Kindergottesdiensträumen dadurch finanziert. Aber die finanzielle Unterstützung der Freunde in Kamerun sei nur eine Säule der Kooperation. „Anregend für beide Seiten sind vor allem die gegenseitigen Besuche, die alle zwei Jahre stattfinden“, weiß Achim Pantle.


Dialog auf Augenhöhe

Martin Schoch

Pfarrer Martin Schoch war selbst vor zwei Jahren in Kamerun mit dabei. Die Kirche dort sei zwar materiell gesehen arm, besitze aber durch ihre Gemeinde einen großen Reichtum. „Der Kindergottesdienst wird sehr fröhlich gefeiert, mit Trommeln und rhythmischen Liedern. Zwischen 800 und 1000 Kinder nehmen daran teil.“ Schoch hat versucht, etwas von der Haltung der Afrikaner mitzunehmen, die „Fröhlichkeit in die Arbeit einfließen zu lassen.“ Er überlegt: „Die Begegnungen waren beeindruckend. Obwohl die Bevölkerung teils sehr arm ist, ist man überall herzlich willkommen und wird mit offenen Armen empfangen. Es war ein Geben und Nehmen, ein Dialog auf Augenhöhe.“
Um die Eindrücke weitergeben zu können, steht in Stuttgart-Birkach in der Geschäftsstelle des Landesverbandes für Kindergottesdienst ein „Kamerun-Koffer“. Dieser soll über das ferne westafrikanische Land informieren. Mit einem Kamerun-Memory und anderen Spielen, mit einer Power-Point-Präsentation, Kochrezepten, Bildern und Kleidungsstücken kann Kindern die fremde Kultur begreifbar gemacht werden – eine Kindergottesdienstbrücke zwischen den Kontinenten.


Zwei Länder mit ganz unterschiedlichen Herausforderungen

Julius Ngwa

In Deutschland kommen immer weniger Kinder in die Kinderkirche. „Das Problem haben wir erkannt, jetzt sind wir dabei, Lösungen zu erarbeiten“, beschreibt Rechtsanwältin Sabine Foth, zweite Vorsitzende des Verbandes, die Lage. Ein neuer Ansatz ist es beispielsweise, Gemeinden, in denen die Kinderkircharbeit eingeschlafen ist, „Starthilfe“ zu geben. Achim Pantle erklärt das Konzept: „Erfahrene Ehrenamtliche sollen auf Anfrage in die jeweiligen Kirchengemeinden gehen und vor Ort an mehreren Abenden den Kinderkirchaufbau initiieren. Dort gemeinsam im Austausch mit den Gruppen Ideen entwickeln.“ Ziel ist es, Impulse zu geben und die ersten Schritte zu begleiten. Vor allem der persönliche Kontakt und die Nachhaltigkeit des Projektes seien wichtig. „Wenn die Vermittlung der Glaubensgeschichten und Lieder an die Kinder verloren geht, kann man das kaum mehr nachholen“, ergänzt Pantle.
Die Kollegen in Kamerun stehen vor ganz anderen Aufgaben. Dort reichen die finanziellen Mittel nicht aus, um gute Kinderkircharbeit zu machen. Es fehlt nicht nur an Materialien für den Kindergottesdienst, sondern auch an geschulten Mitarbeitern.


Ein Lehrer für sechs Klassen

Achim Pantle

Ein großes Problem ist auch, dass viele Kinder in Kamerun nicht zur Schule gehen können. Sie können weder lesen noch schreiben. „Vor allem in den Dörfern ist die Situation verheerend. Es gibt zwar Staatsschulen, die Ausbildung dort ist aber sehr schlecht. Ein Lehrer ist für sechs Klassen zuständig. Außerdem werden die Lehrer miserabel bezahlt“, berichtet Julius Ngwa von der Situation in seiner Heimat. Daher müsse man die biblischen Geschichten anders vermitteln und versuchen, eine Verbindung zum Alltag der Kinder herzustellen. Dies sei keine leichte Aufgabe ohne finanziellen Spielraum.

Deshalb ist der Kontakt zum Württembergischen Landesverband für den Kindergottesdienstpfarrer aus Kamerun umso bedeutender. Viele der Materialien, die er in Kamerun nutze, seien aus Deutschland. „Die Partnerschaft ist segensreich. Wir haben viel von unseren Brüdern und Schwestern hier gelernt.“ Der Austausch zwischen den Kirchen solle weitergehen und wachsen, wünscht sich Julius Ngwa für die Zukunft. Und das ist auch der Wunsch der württembergischen Freunde.

Juliane Baumgarten



(Wieder)Eintritt in die Kirche
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