englishfrancais

StartseiteArbeitsfelderKirche und MenschenBuntes aus der LandeskircheArchiv BuntesLust auf Leiten

"Lust auf Leiten"


Seminare bilden Menschen weiter, die ehrenamtlich leiten

Mit einem Fortbildungsangebot unterstützt das Evangelische Bildungszentrum Haus Birkach alle Vorsitzende von Kirchengemeinderäten oder Kirchenbezirksausschüssen. Das Seminar soll Impulse und praktische Anregungen für den Kirchenalltag geben und vor allem eines vermitteln: die „Lust auf Leiten“.


Die Landeskirche bietet Seminare für ehrenamtliche Leiter und Leiterinnen an. [Foto: Fotolia]

Richtig Leiten ist nicht einfach. Als Vorsitzender eines Kirchengemeinderates ist man neben dem Pfarrer Ansprechpartner in allen kirchlichen Fragen und gleichzeitig Organisator des gesamten Gemeindelebens. Eine Menge Verantwortung in einem einzigen Amt – und das ehrenamtlich. Nicht alles läuft daher von Anfang an wie gewünscht: manche Tätigkeiten fallen einem leicht, bei anderen Problemen ist man sich unsicher und einige Aufgaben scheinen zunächst beschwerlich zu werden. So erging es auch Marliese Schröder und Marius Schünke, als sie mit ihren Aufgaben betreut wurden. Die beiden Kirchengemeinderats-Vorsitzenden aus Backnang bzw. Kirchheim/Teck haben im letzten Jahr am Fortbildungsangebot „Lust auf Leiten“ des Evangelischen Bildungszentrums teilgenommen und fühlen sich nun in ihren Ämtern viel sicherer. Die Teilnahme am Kursus können Schröder und Schünke daher nur wärmstens empfehlen.


Die richtige Entscheidung

Noch nicht einmal drei Jahre ist es her, da wurde Marius Schünke in sein Amt des zweiten Vorsitzenden in Kirchheim unter der Teck gewählt. Ganz freiwillig stellte er sich der Aufgabe allerdings nicht. „Das ist was für dich“ oder „Mach´s doch“, hätten ihn viele Gemeindemitglieder gedrängt als die Neuwahl bevor stand. Auch vom Pfarramt wurde ihm die Bitte wieder und wieder entgegengebracht. Doch Schuenke hatte noch nie ein solches Amt geleitet und niemals daran gedacht eines zu übernehmen. Zumal von manch Amtsvorgängern stets die Warnung „Tu´s dir lieber nicht an“ kam.  Nach gründlicher Überlegung hat er es dennoch gewagt und sich zur Verfügung gestellt. „Der Bedarf war ja irgendwie da, also habe ich zugesagt“, erklärt Schünke. Heute bereut er es keineswegs. Seit der Teilnahme am „Lust auf Leiten“ - Seminar fühlt er sich sogar richtig wohl im Amt: „Ich weiß nun, dass es die richtige Entscheidung war und fühle mich gestärkt.“


In der Arbeit gestärkt

Marliese Schröder fühlt sich nach dem Seminar in ihrer Amtsführung gestärkt. [Foto: Privat]

In der Arbeit gestärkt, um einiges sicherer – das kann Marliese Schröder nur unterstreichen. Zwar übt die Mutter von drei Kindern das Amt der Vorsitzenden in Backnang bereits seit sechs Jahren aus und war stets davon begeistert, aber auch sie habe noch einiges aus dem Kursus mitnehmen können. „Man erhält in einer Runde aus Vorsitzenden viele neue Anregungen“, berichtet Schröder.

Dabei trafen sich die Teilnehmer der Fortbildung nicht oft. Lediglich zu vier so genannten Modulen, an zwei Wochenenden - jeweils freitags ab 18 Uhr bis Samstag 17 Uhr -  an einem Arbeitstag und einer Abschlusskonferenz für alle Teilnehmer kamen die Führungspersonen zusammen. Der gemeinsame Abschluss, genannt Modul 4,  mit einer Führung durch die Räume des Evangelischen Oberkirchenrats, einem Gespräch mit Landesbischof Frank Otfried July und einem Gottesdienst, ist übrigens die einzige Veranstaltung die nur in Stuttgart stattfindet. Ansonsten wird das Seminar auch in den Prälaturen Heilbronn, Ulm und Reutlingen - und selbstverständlich zusätzlich in der Prälatur Stuttgart - durchgeführt.


Vier Module für die Weiterbildung

Angefangen mit Modul 1, in welchem allgemeine Führungs- und Leitungsfragen geklärt werden, über Modul 2, das sich mit Gemeindekonzeptionen und der Kirche an sich beschäftigt, bis hin zu Modul 3 bei dem die Teilnehmer aktiv in ihrem Gemeinderat Zwischenbilanz ziehen, arbeitet sich das Seminar in einem Abstand von mehreren Monaten systematisch voran. Doch nicht nur während dieser Treffen wurde Wissen weitergegeben. Auch unter der Woche und an den freien Wochenenden tauschten die Teilnehmenden sich aus: wie machen die es, wie machen wir es, was ist besser? Genau dieser Austausch fehle ansonsten leider unter den Führungspersonen der Kirche, bemängelt Schröder. „Ich bin froh, dass es nun so ein Seminar gibt. Bis dato gab es ja keine solche Angebote“, äußert die 54-Jährige. Sie war daher nicht die einzige Teilnehmerin die sich die Frage stellt: Werde ich all den Anforderungen in meiner Gemeinde gerecht?


Mehr Sicherheit

Marius Schünke ist nach dem Seminar um einiges sicherer in seiner Amtsführung. [Foto: privat]

Gerade Amtsanfänger Schünke zweifelte hin und wieder an sich selbst: „Als Neuling weiß man nie, ob die eingebrachten Ideen wirklich gut sind.“ Das Seminar und vor allem die anderen Teilnehmer haben dem 57-Jährigen daher Sicherheit gegeben. Im Kontakt zwischen den Neulingen und den langjährigen Amtsinhabern lernen beide Seiten. „Ich habe bemerkt, dass ich als gänzlich Unbefleckter nicht unbedingt schlechtere Entscheidungen treffe als Erfahrene“, freut sich Schünke. Und Schröder ist nun darin bestärkt, dass sie mit ihrem Wirken im Gemeinderat auf dem richtigen Weg ist. Außerdem ist sie froh, endlich Gleichgesinnte getroffen zu haben, mit denen sie sich über die vielseitige Arbeit austauschen kann. Immerhin habe sie „einige bereichernde Kontakte geknüpft.“ Den Austausch mit anderen Kirchengemeinderats-Vorsitzenden möchte die 54-jährige Mutter dementsprechend gerne beibehalten.
Auch Schünke sieht das so. Zu Anfang waren ihm zwar die gruppendynamischen Übungen und der eher emotionale Austausch-Teil des Seminars ablehnend aufgefallen.  Doch von Modul zu Modul hat sich der Selbständige besser und einfacher in die Übungen und Aufgaben eingefunden. Letztendlich zeigte er sich gar überaus begeistert: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das Gelernte auch gleich im Gremium umsetzen kann.“ Aber es funktionierte. Seit der Fortbildung achte er inzwischen beispielsweise beim Verteilen von Aufgaben viel mehr darauf wem was zusagt, wer mit welchen Tätigkeiten leicht umgeht. So haben auch die ehrenamtlichen Helfer mehr Spaß an ihren Aufträgen. Schließlich kümmert Schünke sich als zweiter Vorsitzender nicht nur um Papierkram und Verwaltungsaufgaben. Sitzungen und Gemeindefeste müssen organisiert, Beschlüsse verfasst und in die Tat umgesetzt und zu guter Letzt natürlich auch die Gemeinde nach außen hin repräsentiert werden. Das erfordert auch viel Menschenkenntnis und einen gefühlvollen Umgang mit den Kontakten. Am schwierigsten sei es, „den Menschen mit all ihren unterschiedlichen Temperamenten gerecht zu werden“, sagt Schröder. Aber auch hierbei sei sie durch das „Lust auf Leiten“- Seminar nun noch mehr gestärkt jedem gerecht zu werden.


"Alles halb so wild"

Mittlerweile kann Marius Schünke also über seine vorherigen Bedenken des Amtes wegen herzlich lachen. „Eigentlich ist alles halb so wild, wenn man weiß, wie man es anstellt“, sagt er und kann jedem nur raten, bei einer gewissen Unsicherheit in der Führungsposition die vier Module zu besuchen. Marlies Schröder ist sich sogar sicher, dass sich auch die Pfarrer über einen Besuch jenes Fortbildungsangebots erfreuen: „ Aus Erfahrung weiß ich, dass die Geistlichkeiten sich über die neu motivierten und vor allem gestärkten Vorsitzenden in der Gemeinde freuen.“ Denn mit so viel Stärkung im Rücken, Kompetenz und Ehrgeiz lässt sich in der gesamten Kirchengemeinde sicherlich eine gute Stimmung aufrecht erhalten.

Melanie Bürkle


Informationen zum Kurs "Lust auf Leiten"

... gibt es beim

Evangelischen Bildungszentrum Haus Birkach

Hans-Martin Härter

Referat Kirchengemeinderatsarbeit

Grüningerstraße 24

70174 Stuttgart

Telefon 0711 45804-9420


Weiterführende Links
Bildungsportal

(Wieder)Eintritt in die Kirche
Bookmarks und RSS

RSS Feed abonnieren

Hilfe für Missbrauchsopfer