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„And the winner is: the church!“


Kreuzäckergemeinde Schwäbisch Hall gewinnt europäischen EMAS-Award

Sie standen im Festsaal des Brüsseler Plaza Hotels zwischen all den großen Unternehmen wie Axel Springer und Regierungsvertretern der EU sowie des Bundesumweltministeriums: Werner Schweinzer und Klaus Schüler von der kleinen Kreuzäckergemeinde aus Schwäbisch Hall fieberten der Preisverleihung des Umwelt-Awards EMAS in der Kategorie Mikro-Organisationen entgegen. Vor 180 geladenen Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik lüftete der Moderator schließlich am späten Abend das Geheimnis und gab bekannt: „And the winner is: the church!“


Die Kirche der Kreuzäckergemeinde mit Gemeindehaus und die Photovoltaikanlage auf dem Dach.

„Das war Oscarverleihungs-verdächtig“, strahlt Pfarrerin Ingeborg Ziegler. Sie und die anderen Mitglieder des Umweltteams ereilte die gute Nachricht per SMS, als sie in einem Brüsseler Restaurant voller Spannung auf das Ergebnis wartete. Zur Verleihung am 20. November waren nämlich nur zwei Vertreter pro Organisation zugelassen.
Der Gewinner ist die Kirche, in jeder Hinsicht. Die Kreuzäckergemeinde hat in ihren Gebäuden den Energieverbrauch um 16 Prozent gesenkt, den CO2 Ausstoß um 62 Prozent und sie spart jedes Jahr 30.000 Kilowattstunden Strom. Was jetzt an Energie verbraucht wird, stammt zu 63 Prozent aus erneuerbaren Energien. Da will die EU mit ihrer Verordnung erst noch hin. 2050 sollen es 50 Prozent sein. „Das haben wir jetzt schon überschritten“, sagt Werner Schweinzer. Der Diplom-Ingenieur bringt sein Fachwissen ein und ist auch Umweltbeauftragter des Kirchenbezirks. Was das Umweltteam um Ruth Scholz, Klaus Schüler, Pfarrerin Ingeborg Ziegler, Edith Klitzner, Traugott Hald und Werner Schweinzer sowie Christa Albrecht, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, geleistet hat, das wurde nun mit einem nationalen und internationalen Preis gewürdigt. „Für uns als Gemeinde ist die Bewahrung der Schöpfung ein selbstverständlicher Auftrag des christlichen Glaubens. Wenn wir dabei auch noch Einsparen, freut es uns umso mehr“, sagt Pfarrerin Ziegler.


In der Gemeinde fieberten alle mit

Das Umweltteam der Kreuzäckergemeinde (v.l.): Klaus Schüler, Christa Albrecht, Pfarrerin Ingeborg Ziegler, Ruth Scholz, Werner Schweinzer.

Brüssel und der Preis, ja, das war natürlich die Krönung ihres bisherigen ehrenamtlichen Engagements. Aufregend war es. Zuerst kam diesen Sommer die Nachricht über die nationale Nominierung. Die E-Mail vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag hat das Umweltteam stolz im Gemeindehaus ausgelegt. „Dankbar wären wir, wenn Sie sich den Termin schon einmal freihalten würden“, heißt es darin. Gemeint war der 20. November, der Tag der Vergabe des europäischen Awards. „Dass wir den dann auch noch gewonnen haben, damit hatten wir nicht gerechnet“, sagen sie. „Und alle in der Gemeinde haben an diesem Tag mitgefiebert“, freuen sie sich. „Als wir den Preis in der Hand hielten, als kleine Kirchengemeinde, da ging es natürlich los mit den Fragen“, sagt Klaus Schüler und erinnert sich gern an den Abend in Brüssel, die vielen Gespräche und Kontakte, die sich daraus ergaben, etwa mit dem Beauftragten der Konferenz europäischer Kirchen. Die Preise selber, der kleinere nationale und der größere europäische, gestaltet vom Künstler Bob von der Auwera, sind undotiert. Was für die Kirchengemeinde zählt, ist der symbolische Charakter. „Wir fühlen uns anerkannt und gewürdigt. So ein europäischer Preis ist sehr öffentlichkeitswirksam“, sagen die Gemeindeglieder.


Konfirmanden putzten die Module

Den EMAS-Award haben sie in der Tasche, jetzt will die Kreuzäckergemeinde in Schwäbisch Hall ihren "Eine-Welt-Stand" voran bringen.

Doch wie kommt eine kleine, 1.600 Gemeindeglieder zählende Kirchengemeinde überhaupt zu so viel internationaler Aufmerksamkeit und Anerkennung? 2001 nahm die Kreuzäckergemeinde an einem Pilotprojekt der württembergischen Landeskirche teil: Nach EMAS (Kurzbezeichnung für „Eco Management and Audit Scheme“), auch EU-Öko-Audit genannt, wollten sie sich zertifizieren lassen. Ein System aus Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung für Organisationen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Außer der Kreuzäckergemeinde gab es noch andere Kirchengemeinden in Württemberg, die das erfolgreich umsetzten. Aus den Ergebnissen aller entwickelte sich schließlich das landeskirchliche Umweltmanagement, der „Grüne Gockel“.

So hat in den vergangenen acht Jahren das Umweltteam der Schwäbisch Haller Gemeinde Vorbildliches geleistet. Auf das Kirchendach kam eine Photovoltaikanlage. Beim Aufbau halfen viele mit. „Unsere Konfirmanden putzten die Module“, schmunzelt Werner Schweinzer. Die Anlage war gebraucht, deshalb erhielten sie diese auch günstiger. Die Einnahmen aus dem Stromertrag spendeten sie, weshalb sich auch die Nachbargemeinde Sophie-Scholl eine Anlage auf dem Kirchendach leisten kann. Weil die Kreuzäckergemeinde ihre Heizungsanlage von Öl auf Holzpellets umgestellt hat, verringerte sich nicht nur der CO2-Ausstoß um 38 Tonnen pro Jahr, es wird auch kräftig Geld gespart. „In drei Heizperioden 6.500 Euro, damit haben wir die Mehrkosten der Anlage schon wieder drin“, sagen Christa Albrecht und Ruth Scholz. In Kirche und Gemeindehaus wurden neue, energiesparende Fenster und Außentüren mit Wärmeschutz eingebaut, im Garten steht eine Tonne zur Regenwassernutzung und selbstverständlich steckt in jeder Lampe im Gebäude eine Energiesparleuchte.


Kleine Maßnahmen - große Erfolge

Auch kleinere Maßnahmen brachten große Erfolge. „Allein durch die Steuerung der Gasheizung im Kindergarten sparen wir 15 Prozent am Verbrauch. Nachts die Heizung herunterfahren, am Wochenende und in den Ferien ausschalten“, erklärt Klaus Schüler. Das Umweltteam hat die Mitarbeiter des Kindergartens für das Thema Energieeinsparen sensibilisiert, ein Heizungsfachmann hat die Mitarbeiter geschult. Viel kostete diese Maßnahme nicht, sie bringe aber einiges, sagt das Umweltteam.
„Was hier geleistet wurde, war echte Pionierarbeit“, sagt Ingeborg Ziegler, die Pfarrerin der Gemeinde wurde, als das Projekt schon lief. „Es wurde der richtige Zeitpunkt erkannt und die Chance ergriffen“, sagt sie. Auch die Holzpellet-Heizung für ein Gemeindehaus sei ein Novum gewesen. Schließlich hängen verschiedene Einheiten daran: die Kirche, die Gemeinderäume, die Pfarrwohnung und das Büro. Und alle Einheiten haben unterschiedliche Heizbedürfnisse. Wegen ihrer guten Ideen und der konsequenten Umsetzung ereilt die Kreuzäckergemeinde inzwischen viele Anfragen aus anderen Kirchengemeinden. Das Umweltteam ist ein gefragter Ansprechpartner, berät und informiert. Ihre eigenen Erfahrungen sind natürlich dokumentiert. In einer Umwelterklärung, Informationsplakaten und Flyern, die für Interessierte viel Anregungen für, wer weiß, weitere EMAS-Award-Gewinner bereit halten?

Susanne Siebel

Anschrift der Kirchengemeinde:

Evangelische Kirchengemeinde Kreuzäcker

Schenkenseestraße 25

74523 Schwäbisch Hall

Telefon: 0791 41850

E-Mail: info@dont-want-spam.kreuzaeckergemeinde.de


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