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Kommt zusammen!


Religionen und Kulturen im Kirchheimer Trialog

"Religion ist Alltag. Judentum ist wieder deutscher Alltag. Islam ist deutscher Alltag." So bringt Dr. J. Thomas Hörnig, Theologe an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, die Botschaft der Ausstellung "Kommt zusammen! Moschee, Kirche, Synagoge" auf den Punkt. Die Ausstellung des Mössinger Künstler Jochen Gewecke ist seit heute in der Schule auf den Laiern in Kirchheim zu sehen. Gewecke wurde für dieses Projekt mit dem Europäischen Bürgerpreis ausgezeichnet. Man hat es als ein Modell interreligiösen Dialogs erkannt. 

Dies ist eine Liebeserklärung an zwei Frauen und an einen Film: „Der Herrgott weiß, was mit uns geschieht – Die Schwestern von der Albmühle“. Der vor über zehn Jahren in der ARD zum ersten Mal ausgestrahlt worden ist. Den es in den dritten Fernsehprogrammen immer wieder einmal zu sehen gibt. Dem zuliebe seine Fans, wenn es sein muss, bis weit nach Mitternacht aufbleiben. Und den es jetzt, nachdem er lange Zeit vergriffen war, endlich von Neuem zu kaufen gibt.
 
 


"Zwillinge" heißt dieses Bild von Jochen Gewecke.

Allein schon "das Phänomen religiöser Pluralität mitten in der schwäbischen Provinz zur Kenntnis zu nehmen, zu sehen wie man doch schiedlich und friedlich miteinander leben kann, wäre eines solchen Empfangs würdig", sagte Hörnig bei der Vernissage mit Verweis auf die Geschichte des ehemaligen Reichsdorfes Kirchheim. Doch Gewecke gehe es um mehr. Um Tiefgründigeres. Seine Fotografien würden die Sinne verwirren. Er führe einen stillen, einen weichen Dialog, so Hörnig. "Die harten Dinge, das was die Parlamente und Gerichte beschäftigt, was öffentliche Debatten bestimmt" seien außen vor. Es gehe weder um Kopftücher, Schafe und Minarette oder deren Verhältnis zum durchsetzungsstarken Recht der Religionsfreiheit noch um das Verhältnis zum Staat Israel. Auch die Kirchen und ihre Krisen würden nicht thematisiert. Es sei "das Ewige des Heiligen" und die Alltagskunst, die an dieser Ausstellung faszinierten: "die Spiegelung auf der Oberfläche der Zuckerstange, die Schuhe im Regal, der Rot-Kreuz-Kasten. Hingehen, wo man nicht hingeht. Das Dach der Moschee. Wahrnehmen, was erst auf den zweiten Blick der Wahrnehmung wert ist, das Ungewöhnliche hinter dem Gewöhnlichen entdecken…"  Es sei ein sozialdokumentarisches Projekt, kein missionarisches, sagt der Ludwigsburger Theologe.

 


"Abendmahl", "Durchsichtiges Manöver" und "Für Ihn" lauten die Titel dieser Bilder. [Fotos: Gewecke]


Projekt schon seit 2004

Ein Projekt ist es in der Tat. Und das seit Jahren. 2004 hat Jochen Gewecke zum ersten Mal in Mannheim und Stuttgart-Hedelfingen seine Moscheebilder ausgestellt, begleitet von einem aufwändigen Programm, Leserbriefschlachten und spannenden Diskussionen im Gästebuch. In seiner "unnachahmlichen Mischung aus bubenhaften Charme, penetranter Beharrlichkeit und visionärer Kraft" habe er sein Projekt weiter voran getrieben. Zum Islam gesellten sich Bilder vom Christentum und Judentum. Inzwischen kann Gewecke aus einem Fundus von  1.500 bis 1.800 Dias unterschiedlichster Blenden und Belichtungen schöpfen. 43 dieser hochwertig erstellten Kunstwerke sind jetzt in Kirchheim zu sehen.

Gewecke, 1962 in St. Johann-Upfingen geboren, hat Kunst und Deutsch auf Lehramt studiert und Grafiker gelernt. Beides präge seine Werke, meint Hörnig. Sie seien häufig extrem reduziert, oft monochrom. Die Wahl des Objekts, die Perspektive und der Ausschnitt dominiere seine Technik. Als Interpretations- oder Verfremdungsmittel seien nur Über- oder Unterbelichtung zugelassen. Anschließende Bildbearbeitung ist bei Jochen Gewecke verpönt. Er will zeigen, wo das Auge stehen bleiben kann, wo hinter der Vordergründigkeit Überraschendes herauszudestillieren ist. So schafft er seine Werke. Formen, Flächen, Farben. Licht und Schatten, Spiegelung und Reflexion. "Das Wunder ist nicht am Ende der Welt. Es entsteht vor unseren Augen. Wir müssen nur hinsehen", sagt er. Und so entdeckt Jochen Gewecke kleine Universen des Glaubens, verschiedene Kulturen, Orte für Gebet, Stille und Begegnung. Und die Betrachter mit ihm.


Stephan Braun

  


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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