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Kirche im Zelt


Der neue Zeltmeister Martin Heubach kümmert sich um Technik und Menschen

Wenn Kirchengemeinden es wollen, kommt die Zeltkirche zu ihnen. Zwei Wochen lang bietet die Gemeinde dann im Zelt ein buntes Programm an: Konzerte, Vorträge, Kinderbibelwochen, Religionsunterricht für Erwachsene, Gottesdienste und vieles mehr.
 


Martin Heubach Foto: Pressestelle

Stuttgart/Ilsfeld. Es ist kurz vor 20 Uhr in Ilsfeld vor dem Zelt neben der Gemeindehalle. Diakon Martin Heubach mischt sich unter die Gäste. Der Zeltmeister begrüßt die gerade Angekommenen und unterhält sich mit ihnen. Wenig später spielt der Harmonika Club des Ortes nahe Heilbronn ein paar flotte Melodien zum Einstieg in das Abendprogramm der Zeltkirche. Dieses sieht heute eine Podiumsdiskussion vor mit Politikern zum Thema Werte. Diakon Martin Heubach hat Bereitschaft. Er springt ein, wenn es mit dem Zelt oder der Technik nicht klappen will. Oder wenn Wind aufkommt: „Dann müssen die Zeltwände, die als Notausgang geöffnet sind, geschlossen werden, sonst pustet es uns weg“, erzählt er schmunzelnd. Das sei bei seinem letzten Einsatz in Sulzbach an der Murr ein paar Mal die Gefahr gewesen. Weil die Notausgänge des Zeltes fast 3 Meter hoch sind, Heubach zum Schließen aber ganz oben anpacken muss, steht an einer dieser Öffnungen immer seine Leiter – damit es im Fall des Falles schnell geht.
Wenn Kirchengemeinden es wollen, kommt die Zeltkirche zu ihnen. Zwei Wochen lang bietet die Gemeinde dann im Zelt ein buntes Programm an: Konzerte, Vorträge, Kinderbibelwochen, Religionsunterricht für Erwachsene, Gottesdienste, Veranstaltungen für Jugendliche, Podiumsdiskussionen mit Politikern und vieles mehr. Das Zelt der Landeskirche, das mehr als sechs Meter hoch und 30 Meter lang ist, bietet Platz für bis zu 500 Gäste an Bistrotischen und Stühlen. Es umfasst 550 Quadratmeter Fläche.
 

 

 


"Ein Zelt betritt sich leichter als ein Kirchengebäude"

Heute, in Ilsfeld, ist das Zelt allerdings etwas lockerer bestuhlt: 200 Plätze an Bistrotischen sind vorgesehen. Fast alle sind besetzt. Es gibt Getränke gegen eine Spende, und nach Abschluss der Diskussion auch einen kleinen Imbiss. Ganz häufig bekämen die Mitarbeiter der Zeltkirche mit, wie skeptisch die Menschen vor Ort sind, berichtet Heubach. Sie fragten: „Wieso brauchen wir noch eine Zeltkirche, wo unser Gemeindehaus und unsere Kirche doch so schön sind?“ Doch die Erfahrung zeige zweierlei. Erstens seien viele Kritiker während und vor allem nach den zwei Programmwochen begeistert vom Angebot und den Besucherzahlen. Und zweitens kämen oft ganz andere Leute als das herkömmliche Kirchenpublikum. „Die Hemmschwelle, ein Zelt zu betreten, ist deutlich niedriger als bei einem Kirchengebäude oder einem Gemeindehaus aus Steinen“, sagt Martin Heubach. Die Zeltkirche sei ein „dritter Ort“, ergänzt Zeltpfarrer Johannes Eißler. „Das hat etwas von Sommer, Camping Festzelt, guter Laune, Event“. Zudem könne zum Beispiel eine Stadthalle nicht volle zwei Wochen lang komplett für eine kirchliche Veranstaltung genutzt werden – schließlich gibt es in jedem Ort Vereine, die solche Hallen ebenfalls nutzen. Für kalte Tage ist sogar eine Heizung im Zelt. Im Winter ist das allerdings trotzdem zu kalt. Deshalb ist die Haupteinsatzzeit von Zelt und Zeltmeister von Frühjahr bis Herbst. Im Winter dagegen ist Martin Heubach bei den Kirchlichen Diensten auf der Messe in Stuttgart als Seelsorger tätig. Seine Hauptaufgabe dort: Menschen aufsuchen, für sie Zeit haben und mit ihnen sprechen, sie bei ihren Fragen und Nöten begleiten.   


Zeltmeister im Sommer, Seelsorger im Winter

Martin Heubach vor der Zeltkirche Foto: Johannes Eißler

Das macht er auch bei der Zeltkirche. Oft ergebe sich während des gemeinsamen Essens mit den Mitarbeitern vor Ort ein tiefschürfendes und hilfreiches Gespräch, das nicht immer lang sein müsse, sagt Heubach, der seit März dieses Jahres als Zeltmeister tätig ist. Zuständig ist er vor allem für den Auf- und Abbau des Zeltes und den Transport der gesamten Ausrüstung. Zwei große Container, zwei Anhänger, ein Wohnwagen und ein Wohnmobil gilt es, vor und nach der Zeltkirche zu transportieren. Teilweise macht er dies mit Hilfe einer Spedition, teilweise selbst. Während der Zeltkirche hat er immer etwas zu tun oder auch zu werkeln. Das Zeltkirchen-Equipment muss immer wieder auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Auch ist Heubach dafür verantwortlich, dass die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. An diesem Abend in Ilsfeld läuft alles glatt. So kann Heubach sich nach der Diskussion einfach unter die Gäste mischen, um sich mit ihnen zu unterhalten.

Nicole Marten 


 


Die Zeltkirche gibt es bereits seit 1953. Sie will Glauben wecken und stärken. Dazu wird gemeinsam mit den Gemeinden vor Ort ein bis zwei Jahre vor der Veranstaltung ein Programm geplant, das 14 Tage dauert. Örtliche Vereine gestalten die Abende mit: Sie sind fester Bestandteil des Vorprogramms. Hauptreferent in den Veranstaltungswochen ist Zeltpfarrer Johannes Eißler. Um das Zelt selbst kümmert sich der Zeltmeister. Noch bis zum 17. Juli ist die Zeltkirche in Ilsfeld (Dekanat Heilbronn) zu Gast.
Weitere Termine in diesem Jahr:
4.-18. September: Birkenfeld (Dekanat Neuenbürg)  
25. September bis 9. Oktober: Sontheim / Brenz (Dekanat Heidenheim)
Informationen zur Zeltkirche gibt es unter: http://www.missionarische-dienste.de/cms/startseite/amt-fuer-missionarische-dienste/zeltkirche-evangelisation/  
 


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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