„Wir könnten ein Riesending draus machen“
Eine neue Stiftung will ein Waisenhaus samt Schule in Kenia unterstützen
Stuttgart/ Münsingen. Vor mehr als 20 Jahren, im Jahre 1983, entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung zwischen einigen Christen in Kenia und Christen aus dem Kirchenbezirk Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Gemeinsam stellte man sich die Aufgabe, ein Waisenheim zu gründen. So wurden in Eldoret, einer Großstadt im Westen Kenias, ein Heim sowie eine Schule gebaut und Waisen aufgenommen.

- Vorsitzende der Kenia-Hilfe im Kirchenbezirk Münsingen Gisela Keller [Foto: Privat]
Seit zehn Jahren sind nun Helfer vor Ort, um die Lebensbedingungen sowie die schulische und berufliche Ausbildung dieser Straßenkinder und Jugendlichen zu verbessern. 2008 wurden in Folge politischen Unruhen das Heim und die Schule geplündert und niedergebrannt. Dennoch wagte man im Dorf Karai im selben Jahr einen Neuanfang und gründete eine örtliche Stiftung. Im Frühjahr des kommenden Jahres soll nun auch in Münsingen eine Stiftung zur Unterstützung des Projektes ins Leben gerufen werden: die „Keniastiftung Schwäbische Alb“.
„Es ist unglaublich wie gut wir nach so kurzer Zeit wieder dastehen“, freut sich Gisela Keller, die Vorsitzende der Kenia-Hilfe im Kirchenbezirk Münsingen. Schließlich ist es erst zwei Jahre her, als das Hilfsprojekt in Eldoret vor dem Nichts stand. Im Jahre 2000 war dieses erste Projekt evangelischer Christen aus Münsingen und dem kenianischen Eldoret entstanden. In einer einzigen Nacht, dem 2. Februar 2008 fiel es Plünderern zum Opfer. Doch die Zerstörung der Unterkunft sollte dem Projekt kein Ende setzen. Man wagte 300 Kilometer entfernt, in Karai - rund 50 Kilometer nordwestlich von Nairobi - einen Neubeginn.

- [Foto: Privat]
Die bis dahin 130 Jungen des damaligen Projekts aus Eldoret sind mit nach Karai gezogen. 35 weitere Waisen wurden dort aufgenommen. „Über 160 Straßenkinder, das ist eine Herausforderung für alle Beteiligten“, weiß Keller, die vor kurzem das Dorf besuchte um nach dem Rechten zu schauen. Eigentlich, so hat sie festgestellt, würden gerne noch mehr Kinder das Heim beziehen und die schulische wie berufliche Ausbildung genießen. „Klar, wir könnten ein Riesending daraus machen, der Bedarf ist da. Doch die Mittel fehlen“, erklärt Keller.
Derzeit biete die berufliche Schule zwei Maurer- und zwei Zimmermannsklassen an. Für die Mädchen und jungen Frauen, einige davon mit eigenen Kindern, wird ein Grundkurs in Hauswirtschaft angeboten. Sie lernen nähen, kochen und die Grundzüge des Frisörhandwerks. Bei Bedarf werden die jungen Erwachsenen nach ihrer Ausbildung weiter betreut. „Wir begleiten unsere Schützlinge auch nach dem Abschluss weiter. Keiner wird fortgeschickt“, erzählt Gisela Keller. Alles funktioniere wie in einer Großfamilie.

- [Foto: Privat]
Im Waisenheim und in der Schule kümmern sich 30 Einheimische um die Kinder und Jugendlichen. Neben kenianischen Lehrern und Sozialarbeitern, finden sich eine Küchen- und Farmmannschaft auf dem Gelände. Soweit es geht, ist Selbstversorgung angesagt. „Das ist ein Gemeinwesen und die Schule ist auch für Kinder aus dem Ort zugänglich“, berichtet die Vorsitzende und ergänzt: „Daher sind wir auch bei den Bewohnern des Dorfes gut angesehen.“ Es solle kein Luxushaus entstehen, auf das die restlichen Mitbürger neidisch sind. So gelte es, den kenianischen Standard zu halten. „Was für Kenia vielleicht schon Luxus ist, ist bei uns der unterste Standard“, so Keller. Die Bewohner des Waisenhauses schlafen deshalb weiterhin in großen Schlafsälen. Nur die ältesten Bewohner haben eigene Unterkünfte. Die Mädchen sollen noch eine bekommen. Der Älteste ist übrigens 24, die Jüngste gerade einmal fünf.
Bis jetzt werden Waisenheim und Schule hauptsächlich durch Patenschaften finanziert. Rund 30 Euro pro Monat spende jeder der derzeit 90 Paten, um den Kindern und Jugendlichen Schule und Ausbildung zu garantieren. Und weitere Paten sind natürlich erwünscht. Durch die neue Stiftung soll das Projekt weiter abgesichert und wenn möglich sogar ausgebaut werden.
Melanie Bürkle
Kontakt: Kenia-Hilfe Schwäbische Alb: www.keniahilfe-schwaebische-alb.de
Spenden:
Evang. Kirchenbezirkskasse Münsingen,
Konto: 1001534, BLZ: 640 500 00,
Kreissparkasse Reutlingen
Verwendungszweck: Stiftung Kenia-Hilfe




