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Eine Stiftung für die Lorcher Stadtkirche und ihre Musik


Am 23. Juli 2010 wird die Stiftung bei einer Feier gegründet

Stuttgart/Lorch (Juli 2010). "Musik ist die beste Gottesgabe", davon ist Verena Rothaupt, Kantorin der Stadtkirche Lorch, überzeugt. Diese Gottesgabe werde in der Lorcher Kirchenmusik dankbar angenommen und genutzt. Der Chor der Stadtkirche habe sich in den letzten Jahren zu einem leistungsstarken und hoch motivierten Ensemble entwickelt, das auch größere Werke in Angriff nehmen könne, so Rothaupt.


Die Kirchenmusik in der Stadtkirche in Lorch braucht finanzielle Unterstützung. [alle Fotos: Pressestelle | Gruner]

Neben dem Erwachsenenchor gibt es auch einen Kinderchor mit 30 Kindern. Dieser hat sich eine besondere Tradition zueigen gemacht: Seit einigen Jahren gibt es das "Taufspruchsingen", das auch über die Stadtgrenzen Lorchs Beachtung und Nachahmung findet. Dabei singt der Kinderchor bei Taufen den Bibelvers, den die Eltern für ihr Kind ausgesucht haben. Bislang wurden 15 Taufsprüche vertont, das Repertoire wird stetig erweitert.

Die Lorcher Kirchenmusik braucht Unterstützung, die Stelle von Verena Rothaupt droht wegzufallen, wenn sie eines Tages nicht mehr in Lorch tätig sein sollte. Dies würde eine drastische Einschränkung für die musikalischen Aktivitäten der Kirche bedeuten. Deshalb soll die Kantorenstelle für die Zukunft durch eine Stiftung unterstützt werden. Aber das ist nicht der einzige Stiftungszweck: So soll auch der Erhalt der Evangelischen Stadtkirche Lorch als geschichtlich bedeutsames Bauwerk gesichert werden.


Bewegte Geschichte

Beachtenswert ist der Bilderrundlauf an der Empore in der Lorcher Stadtkirche.

Die Kirche war im 11. Jahrhundert die erste Grablege der Staufer, bevor diese ins Kloster Lorch umzogen. Die Stadtkirche vereint gotische und barocke Baustile und verfügt über eine Orgel mit Geschichte: Im Jahre 1733 von Friedrich Schmahl in die Stadtkirche eingebaut, musste das Instrument 1858 ersetzt werden, da es unbrauchbar geworden war. 1942 erhielt die Kirche eine Orgel aus dem Ort Gruorn, der wegen des Baus eines Truppenübungsplatzes weichen musste. So wurde die Orgel aus Gruorn mit der der Lorcher Stadtkirche zusammengebaut. Zuletzt wurde das Instrument im Jahr 2005 renoviert und mit neuen Registern ausgestattet. Eine weitere Besonderheit stellt ein Bilderreigen an der Empore der Kirche dar. Die Gemälde, deren Künstler unbekannt ist, zeigen die Erschaffung der Erde.

Die Kirchenmusik spielte in der Stadtkirche schon immer eine bedeutende Rolle. Kantorin Verena Rothaupt ist die musikalische Arbeit mit Kindern besonders wichtig. Deshalb geht sie regelmäßig in die Kindergärten und -krippen in Lorch, um selbst mit den Kleinsten zu singen. Denn auch der beste Chor braucht Nachwuchs. "Wir müssen schauen, dass die Kinder schon im Kindergarten singen lernen. Obwohl viele Erzieherinnen sehr schön singen, kennen viele Kinder den Unterschied zwischen Singstimme und Sprechstimme nicht und singen dann eher einen monotonen Sprechgesang“, bedauert Rothaupt.


"Du singst ja wie der Kasper"

Ihre Arbeit im Kindergarten wird von den Erzieherinnen und auch Eltern geschätzt, nicht zuletzt, weil die Kinder Freude an den „Singstunden“ mit der Kantorin haben. Man komme bei kleinen Kindern mit dem bloßen Singen nicht weit, müsse es spielerisch vermitteln. Deshalb hat Rothaupt ihre ganz eigene Art gefunden, mit den Kindern umzugehen. „Bei mir sind es Kasper und Oma.

Die Oma war früher Opernsängerin und singt Kasper vor, damit er nachsingt. Doch der Kasper kann nicht gut singen, er brummt eher. Wenn ein Kind dann auch mehr brummt als singt, kann man ihm sagen: ‚Du singst ja wie der Kasper’. Das klingt viel besser als: "Du singst falsch", erklärt Rothaupt mit einem Schmunzeln. Das Schöne an der Kindergartenarbeit sei, dass sich tolle Erfolge einstellen. Denn jeder könne das Singen lernen und man bemerke vor allem bei den ganz Kleinen, dass sie am schnellsten lernen, Töne zu singen. Das liege daran, dass sie sich noch in der Prägephase befänden. Dass die Lorcher Kirchenmusik so floriert, liege an eben diesem zusätzlichen Engagement in der Gemeinde, sagt Rothaupt. "Wir Kirchenmusiker können nicht mehr darauf warten, dass gute Musiker zu uns kommen, wir müssen auf die Leute zugehen". Die musikalische Gestaltung der Gottesdienste soll nicht nur der bloßen Unterhaltung dienen, sondern auch begeistern. "Musik hat die Aufgabe, die Menschen aufzuwecken und aufnahmebereit zu machen, sie emotional zu erreichen", erklärt die Kantorin.


Sowohl die Musik in der Stadtkirche Lorch als auch das Gebäude selbst sollen durch die Stiftung erhalten werden.

Die Lorcher Kirchenmusik ist auch außerhalb der Stadt bekannt und geschätzt. Konzerte in der Stadtkirche sind immer gut besucht. Das nächste Großereignis ist die "Nacht der Chöre" am 17. Juli, in der von 19 bis 23 Uhr alle Lorcher Chöre in der Stadtkirche singen. Der Erlös der Veranstaltung wird der Stiftung zugute kommen. Mittlerweile sind durch 40 Stifter 50.000 Euro gesammelt worden, geplant waren als Startkapital 100.000 Euro. Man merke, dass die Finanzkrise auch die Stiftung nicht unberührt lasse und sich beispielsweise keine Großstifter gefunden haben, sagt Pfarrer Christof Messerschmidt. Dennoch seien die Reaktionen auf die Stiftung überwiegend positiv.  Auch der Kirchengemeinderatsvorsitzenden Ruth Schenker liegt der Erhalt der evangelischen Kirche in Lorch als einem "Ort des gelebten Glaubens" am Herzen. Schwerpunkt für sie ist das Gebäude. "Die Kirche ist sehr wertvoll und es geht darum, Rücklagen für die Kirche zu bilden", erklärt Schenker.


Um Stifter zu finden, versendete die Kirchenleitung 1.400 Briefe an Lorcher Einwohner und gestaltete eine professionell aufgemachte Broschüre, die an Einzelpersonen verschickt und in der Kirche ausgelegt wurde. Auch wenn das angestrebte Anfangsvermögen noch nicht erreicht ist, sind Schenker und Messerschmidt optimistisch. Die bisher gewonnenen Stifter stammen fast alle aus Lorch und sind mit der Stadtkirche über Generationen verwurzelt. Viele von ihnen wurden dort getauft, konfirmiert und getraut. Sie betrachten die Kirche als festen Bestandteil ihres Lebens. Die Stiftung wird am 23. Juli mit einer Feier errichtet. Musikalisch gestaltet wird sie vom Chor der Stadtkirche.

Franziska Gruner


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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