Auf Luthers Spuren wandeln
Pilgern für die Seele mit Blick auf die Reformation
Nein, Pilger müssen nicht immer nach Santiago de Compostela. Manchmal reichen schon die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zwei Lutherwege, ein Thema und ein Anlass.
In beiden Ländern war der Reformator Martin Luther unterwegs. Jeder Ort des Pilgerweges, ob in Thüringen oder Sachsen-Anhalt, kann auf ein Stück Geschichte mit Martin Luther oder der Reformation zurück blicken. Schilder mit einem grünen, altdeutschen „L“ weisen den Weg auf schon vorhandenen Wanderwegen. Anlass ist die 2008 ausgerufene „Lutherdekade“. Sie soll auf das Jahr 2017 hinführen. Denn dann jährt sich der Thesenanschlag von 1517 zum 500. Mal. Es ist das Jubiläum der Reformation.
Der Lutherpilgerweg in Sachsen-Anhalt erstreckt sich von Wittenberg durch verschiedene Dörfer und Städte in süd-westlicher Richtung nach Lutherstadt Mansfeld, dem ehemaligen Wohnort der Familie Luther. Von dort geht es dann durch Eisleben und Halle zurück zum Ausgangspunkt Wittenberg. Unterwegs können Pilger alte Kirchen besichtigen oder sich Schlösser wie das ehemalige Residenzschloss Johannbau in Rosslau-Dessau ansehen. Jedes für sich ein kleines Highlight auf der Pilgerreise.
Insgesamt gibt es über 40 mögliche Wegstationen, die vom Wirken Luthers und der Reformation erzählen, so dass sich der Wanderer in eine andere Zeit versetzt fühlt. Von Station zu Station sind es dabei nicht mehr als 25 Kilometer. Wer den gesamten Lutherweg bewandert, kann auf 410 Kilometer vom Alltag abschalten, zu sich finden und sich Gott zuwenden.
Das altdeutsche "L" weist den Weg
Möglicher Ausgangspunkt des Lutherwegs in Sachsen-Anhalt ist die Stadt Wittenberg, eines der Zentren der Reformation. An die Tür der wittenbergischen Schlosskirche hatte der Reformator 1517 seine 95 Thesen angeschlagen. Damit kann Wittenberg als „Wiege der Reformation“ bezeichnet werden. In der Stadtkirche „St. Marien“ hat Luther seine letzte Ruhestätte gefunden. Besonders interessant für wissbegierige Pilger: Das Lutherhaus, ein ehemaliges Augustinerkloster, das Luther zu Lebzeiten bewohnt hatte. In diesem Kloster war der Reformator schon 1508 als Mönch. Jahre später, 1525 bezog er das, im Zuge der Reformation aufgelöste, Kloster als Wohnhaus. Seit 1883 ist es ein Museum, in dem sein Leben nachempfunden wird. Zu sehen gibt es Luthers Mönchskutte, seine Bibel und die Lutherstube. Letztere ist mit schweren Holzmöbeln, einem Ofen und den Holzvertäfelungen an den Wänden weitgehend im originalen Zustand erhalten geblieben. Die Stube war der Schauplatz damaliger Tischgespräche des Reformators.
Das Lutherhaus ist das größte Museum, das sich mit der Reformationsgeschichte befasst.
Dem grünen, altdeutschen „L“ auf weißem Grund folgend, geht es von Wittenberg nun weiter ein Stück die Elbe entlang und mit der Fähre hinüber. Dann über die Stadt Zerbst/Anhalt, 47 Kilometer in Richtung Süd-West nach Wohlsdorf. Der Weg führt über Wiesen, durch Wälder vorbei an alten Kirchen, in denen der Wanderer sich besinnen oder einfach ausruhen kann.
In Wohlsdorf kann der Pilger dann ganz schlicht nach Pilgerart verweilen. Dazu gehört sicherlich eine Nacht in der Pilgerherberge Wohlsdorf, die Station 22. Luxuriös ist es dort nicht. „Pilgern heißt auch Reduzierung der Ansprüche“, schreiben Wolf von Bila und Ursel Luther-von Bila auf der Website, die die Pilgerherberge bewirbt. Der Wanderer schläft in einer Kabine mit zwei Stockbetten, die von den anderen Kabinen mit einem Vorhang abgetrennt ist. Im Aufenthaltsraum der Herberge, einem ehemaligen Pferdestall, sitzt man nach einem anstrengenden Tag mit Gleichgesinnten zusammen und trifft auf interessante Menschen.
Über Stock und Stein: die Etappen sind abwechslungsreich
Ausgeruht folgt der Pilger einer Landstraße mit Kopfsteinpflaster und Feldwegen nach Bernburg. Das Schlossmuseum mit einer der ältesten Ausgaben von Luthers Werken und die gotische St. Marien-Kirche sind hier weitere Stationen.
Als nächstes führt das grüne „L“ dann nach Norden, am Fluss Saale entlang, nach Eisleben. Die Wege sind in dieser Etappe abwechslungsreich, mal geteert, mal geschottert, manchmal gibt es auch nur fest gefahrenen Ackerboden. Bei der Station Wettin wird die Saale dann mit einer kleinen Auto- und Personenfähre überquert, sodass es weiter nach Höhnstedt und schließlich Eisleben gehen kann.
Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Sein Geburtshaus aus der Mitte des 15. Jahrhunderts kann man immer noch besichtigen. Nach mehreren Erneuerungen und einem modernen Anbau ist es heute ein Museum. Es beleuchtet die Herkunft Luthers in der Ausstellung „Von daher bin ich - Martin Luther und Eisleben“. Die Stadt Eisleben gehört wie auch Wittenberg mit ihren Lutherstätten zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die nächste Station ist dann Mansfeld mit dem Elternhaus Martin Luthers und dem Lutherbrunnen, einem Denkmal. Kurz nach der Geburt Martin Luthers war die Familie in diese Stadt gezogen. Ab Mansfeld wird nun der Rückweg in östlicher Richtung angetreten: Nochmals über Eisleben, nach Halle an der Saale und Bitterfeld-Wolfen nach Wittenberg.
Das Motto im Jahr 2011: "Reformation und Freiheit"
Auf klassischen Rad- und Wanderwegen sowie am „Süßen See“ vorbei, geht es insgesamt 68 Kilometer nach Halle an der Saale. Das Interessanteste in Halle: Station 37- die Marktkirche „Unser lieben Frauen“. Ein Markenzeichen der Kirche sind die zwei verschiedenen Kirchturmpaare. Das Gotteshaus beherbergt Luthers Totenmaske aus Wachs sowie einen späteren Gipsabdruck davon. Justus Jonas, ein guter Freund des Reformators hatte nach seinem Tod die Wachsmaske nach Halle gebracht.
Es geht weiter nach Nord-Osten. In der Nähe von Bitterfeld-Wolfen kommt der Pilger an der Kirche „St. Jakobus“, ein ehemaliges Kloster im Ort Brehna. Das ehemalige Kloster ist eng mit Martin Luther verbunden, da dort seine Frau Katharina von Bora 1504 als junge Schülerin aufgenommen wurde. Die Kirche ist im romanischen Stil gebaut, hat jedoch ein gotisches Kirchenschiff, was auf ihre lange Geschichte hindeutet. Von Brehna geht es dann über die Stadt Bitterfeld zurück nach Wittenberg.
Entlang des Lutherwegs gibt es die verschiedensten Übernachtungsmöglichkeiten. Sie reichen von Campingangeboten, Gästehäusern, Bauernhöfen bis zu Hotels in den Städten und Umgebung. Während der Lutherdekade steht jedes Jahr unter einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt zu dem Veranstaltungen, wie Konzerte, Tagungen und Ausstellungen stattfinden. Das Jahr 2011 trägt das Motto „Reformation und Freiheit“.
Carolin Dieter






