Agentur "mehrwert"
Erfahrungen, die Menschen verändert

- Eine Auszubildende gibt einer alten Dame etwas zu trinken [Foto: Agentur mehrwert]
Die Agentur "mehrwert" stößt Projekte zum sozialen Lernen an
Sie wollte "neue Leute kennen lernen und Erfahrungen mit ihnen sammeln" - und dann ist doch dieses "mulmige Gefühl" gekommen. "Wie werde ich wohl aufgenommen werden im Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart-West?", fragte sich Sabrina Grüner. Was dann folgte, war für die 22-jährige Auszubildende bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) vollkommen unerwartet: "Die Kinder stürmten gleich auf mich zu. Diese offene, komplette Neugier hat mich sehr beeindruckt".
Einmal in den Alltag von sozialen Einrichtungen eintauchen, neue Erfahrungen sammeln und andere Menschen kennen lernen: Das gewährt die Agentur für soziales Lernen "mehrwert" in Stuttgart. In diesem Fall Auszubildenden der SSB. "mehrwert" wurde vor knapp zwölf Jahren gegründet und ging aus der württembergischen Diakonie hervor, dem Wohlfahrtsverband der evangelischen Kirche. "mehrwert" vermittelt Schüler, Studenten, Azubis und Führungskräfte unterschiedlicher Unternehmen für jeweils eine Woche an Institutionen wie die Bahnhofsmission oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Sie bereitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihren Einsatz vor, betreut sie während dieser Zeit und bietet eine Nachbereitung an. Inzwischen gibt es auch eine Stiftung, die die Arbeit der Agentur fördert. Außerdem werden einzelne Projekte anderer Stiftungen unterstützt, so etwa das Projekt "Do it!" der Robert-Bosch-Stiftung, das Studenten ermutigt, sich sozial zu engagieren. Das so genannte "Service Learning" soll nun bundesweit als Pilotprojekt gestartet werden.
"Es ist schon beeindruckend, wie sich Kinder über einfache Dinge freuen können"
Sabrina Grüner übernahm im "Eltern-Kind Zentrum" die Betreuung der Kinder. Sie beschäftigte sie mit Spielen, ging mit ihnen zum Spielplatz oder machte kleine Ausflüge. "Ich habe einiges aus dem Projekt mitgenommen" resümiert sie. "Ich bin geduldiger geworden und kann mich gegenüber Kindern jetzt besser durchsetzen." Grüner hat sich anstecken lassen von der kindlichen Begeisterungsfähigkeit. "Es ist schon beeindruckend", sagt sie, "wie sich Kinder über einfache Dinge freuen können, und sei es nur ein Ball."
Solche Erfahrungen spricht die Betreuerin von der Agentur "mehrwert" in der Nachbereitung an. Jeder berichtet, wie er die zurückliegende Woche erlebt hat und stellt "seine" Einrichtung den anderen in einer kleinen Präsentation vor. Im SSB-Zentrum sind die Rückmeldungen von allen Teilnehmern positiv ausgefallen. In der Nachbereitung wird klar: Alle Teilnehmenden sind Menschen begegnet, mit denen sie sonst nicht in Berührung gekommen wären. Diese Erfahrung finden sie wertvoll.
Die Geschäftsführerin von "mehrwert", Gabriele Bartsch, weiß zu berichten, dass sich die Teilnehmer solcher Projekte häufig in ihrer Persönlichkeit weiterentwickeln und dass sich ihnen neue Sichtweisen eröffnen. Vielfach nähmen sie nach einer solchen Woche auch die eigene berufliche oder private Situation anders wahr.
"In sozialem Lernen und sozialem Engagement liegt die Zukunft."
Auch die sozialen Einrichtungen wie die Bahnhofsmission machen gerne bei "mehrwert" mit, sagt Bartsch. "Die Menschen in den Einrichtungen freuen sich über die Abwechslung." Es wirke belebend, "wenn da jemand kommt, der sich für sie interessiert, auch wenn er einen anderen beruflichen Hintergrund hat." Darüber hinaus kämen die sozialen Einrichtungen und die teilnehmenden Unternehmen miteinander in Kontakt - ein durchaus gewünschter Nebeneffekt.
Zu den Kunden der Agentur "mehrwert" zählen vor allem Firmen aus Industrie, Pharmazie und Chemie. Bei den Führungskräften müsse man das Angebot jedoch noch bekannter machen, meint Gabriele Bartsch. Bei den Schulen als Kunden haben sich Aufgaben und Teilnehmerkreis inzwischen verändert. Hatte die Agentur früher vorwiegend mit den Schülern direkt gearbeitet, so engagiert sie sich heute vor allem in der Lehrerfortbildung und unterstützt Lehrkräfte auch bei der Projektplanung. Denn in vielen Lehrplänen ist soziales Lernen inzwischen verankert. Ein Erfolg.
Gabriele Bartsch ist das wichtig. Sie und ihr Team prüfen und verändern immer wieder Projektformen und entwickeln neue, um so gut wie möglich dem Bedarf gerecht zu werden. Denn eines ist für sie klar: "In sozialem Lernen und sozialem Engagement liegt die Zukunft. Wir leisten unseren Beitrag dazu."
Carolin Dieter
Ein Foto kann im Internet unter http://www.elk-wue.de/aktuell/bildmaterial/agentur-mehrwert/ heruntergeladen werden.




