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"Ich lese Horoskope nur zu humoristischen Zwecken"

Experte wertet Blick in die Zukunft als Schwindel

Unsere Zukunft lässt sich nicht durch Sterndeutung oder Ähnliches vorhersagen. Zu diesem Schluss kommt der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Hansjörg Hemminger. Und er warnt davor, sich in seinen Entscheidungen von solchen Instrumenten abhängig zu machen.

Was bringt mir die Zukunft?

Lady Di wird Königin von England, Kalifornien versinkt im Meer und ein Ufo landet vor dem Weißen Haus: All das haben Astrologen und Wahrsager in den letzten Jahren bereits in den Sternen gelesen oder aus Geburtsdaten errechnet. Eingetroffen ist davon gar nichts. "Alles Täuschung und Schwindel", ist sich Hansjörg Hemminger, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, sicher.

Ein Zusammenhang zwischen der Sternenwelt und dem Leben auf der Erde sei nicht wahrscheinlich und nicht plausibel, sagt der Verhaltensbiologe, der an der Universität Freiburg habilitiert ist und sich seit Jahren mit dem Thema Aberglauben auseinandersetzt. "Immer wenn man systematisch geprüft hat, ob es eine solche Beziehung gibt, hat sich das als nicht richtig herausgestellt", erklärt er. Trotzdem gebe es immer wieder mit Beginn eines neuen Jahres einen Boom in diesem Bereich.

Für Hemminger ist die Sehnsucht vieler Menschen, einen Blick in die eigene Zukunft zu werfen, nichts anderes als Zukunftsangst, "das ist meiner Ansicht nach die Hauptantriebskraft für das Geschäft, das mit Horoskopen oder Astrologie betrieben wird". Der Experte warnt davor, sich in seinen Entscheidungen von solchen Instrumenten abhängig zu machen. Gegen den spielerischen Umgang mit Horoskopen sei prinzipiell nichts einzuwenden, "besonders gefährlich sind Formen der Zukunftsschau aber, wenn einem eine hellseherische Kraft unter Berufung auf irgendeine Vision sagt, wo's langgeht".

Hemminger weiß, wovon er redet, denn immer wieder berät er Menschen, die sich von so genannten Magiern, Wahrsagern oder Hellsehern abhängig gemacht haben und irgendwann verzweifelt zu ihm kommen. Wie zum Beispiel der Mann, der nach der Trennung von seiner Frau von einer Hellseherin zu hören bekam, seine Frau werde sicherlich zu ihm zurückkehren. "Die Hellseherin witterte ein Geschäft, würde ich meinen", sagt Hemminger. Sie habe den Mann deshalb aufgefordert, regelmäßig zu ihr zu kommen und ihm versprochen, mit Hilfe ihrer Kristallkugel vorherzusagen, was er tun müsse, damit ihre Prophezeiung sich erfülle.

Zu Hemminger kam der Mann, als die Vorhersage längere Zeit nicht eintraf und er einige tausend Euro bezahlt hatte. "In der Beratung zeigen wir den betroffenen Menschen andere Wege auf und ermutigen sie, ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen."

Mit dem christlichen Glauben ist jede Form von Zukunftsschau nicht vereinbar, weiß Hemminger, "die Bibel erlaubt den Blick in die Zukunft nicht, denn die Zukunft ist Gottes Zukunft und das biblische Zeugnis zielt auf Gottvertrauen." Darauf könnten sich Christen verlassen, "das ist viel verlässlicher als Zukunftsvorhersagen". Der Experte selbst wirft deshalb nur aus einem einzigen Grund ab und an einen vermeintlichen Blick in die eigene Zukunft: "Ich lese mein Horoskop nur zu humoristischen Zwecken", meint er und lacht.

Angelika Hensolt

aus: epd-Wochenspiegel 2/2006

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