Mummenschanz mit Gruselspaß
Halloween ist bei uns heimisch geworden
Das seit einigen Jahren auch bei uns in Deutschland mit verschiedenen Aktivitäten gefeierte Halloween ist kein heidnisches Fest. Vielmehr ist es eine Art Mummenschanz mit Gruselfaktor.
Wie Halloween in den USA gefeiert wird
In den USA ist Halloween am Abend des 31. Oktobers eines der großen Feste des Jahres, oft steht der ganze Oktober in seinem Zeichen: in den Kaufhäusern mit ihrem Angebot an Masken und Verkleidungen, in den Familien, den Schulen und Nachbarschaften. Die Häuser werden mit Spukfiguren, Spinnweben, Hexenbesen oder Geistergesichtern dekoriert. Zu den Halloween-Parties erscheinen die Gäste in bizarren Verkleidungen. Kinder ziehen durch die Nachbarschaft und erbitten sich mit der rituellen Drohung "trick or treat" Süßigkeiten. Überall brennen Kerzen in ausgehöhlten Kürbissen, in die Gesichter geschnitten wurden und die "Jack O'Lantern" genannt werden.
Der Name geht auf eine Volkssage zurück: Ein irischer Spitzbube namens Jack brachte es fertig, den Teufel auf einem Baum gefangen zu setzen. Er ließ ihn erst wieder herunter, als der ihm versprach, Jack werde nie in der Hölle schmoren. Als Jack ein Jahr später starb, wollte man ihn im Himmel nicht haben, da er ein Spitzbube war. In die Hölle ließ ihn der Teufel nicht hinein, aber er gab Jack eine glühende Kohle. Jack höhlte eine große rote Rübe aus und legte die Kohle hinein. Da er weder im Himmel noch in der Hölle Einlass findet, muss er bis zum Jüngsten Tag ruhelos mit seiner Laterne die Welt durchstreifen. In Amerika wurde die Rübe schließlich zum Kürbis.
Der Halloween-Brauch kam von Irland nach Amerika
Ursprünglich stammt das Fest aus Irland. Halloween kam mit der Welle irischer Einwanderer nach 1840 in die USA, heute nehmen ungefähr zwei Drittel der Einwohner daran aktiv teil. Damit ist es nach Weihnachten das wichtigste Fest auf dem neuen Kontinent. Es gehört zu den sogenannten "Heischebräuche", die es auch in Deutschland in großer Zahl gibt. Einmal im Jahr dürfen Kinder, früher auch Dienstleute und Arme, bei den Wohlhabenden von Tür zu Tür ziehen und eine Gabe "erheischen". Das Besondere an Halloween ist, dass die Kostümierung aus dem Bereich des Unheimlichen und Spukhaften stammt. Die Farben sind schwarz, wie die Nacht, und Orange, wie der Kürbis. Allerdings kann man sich auch als historische Figur oder mit Masken von Schauspielern und Politikern dekorieren, dann ähnelt die Kostümierung der eines Faschingsballs.
Halloween in Deutschland
Bei uns wird Halloween erst seit wenigen Jahren gefeiert, da das Fest im kontinentalen Europa keine Tradition hat. Der Heischebrauch lässt sich auch nicht verpflanzen. Aber Halloween-Parties werden vom Kindergarten an aufwärts immer beliebter. Damit kommt auch die Diskussion um Halloween zu uns. Denn wie Jahr für Jahr von christlicher Seite vor Fasching gewarnt wird, weil es sich angeblich um heidnisches Brauchtum handelt, wird in den USA Jahr für Jahr vor Halloween gewarnt, weil es sich angeblich um eine Verharmlosung der satanischen Welt böser Geister handelt.
Was die deutschen Faschingsbräuche angeht, ist deren heidnischer Ursprung eine fragliche Sache. Zurückverfolgen lässt sich die süddeutsche Fasnet, die bei weitem älteste Form des Faschings, nur bis ins hohe Mittelalter.
Halloween hat keltische Wurzeln
Aber Halloween geht tatsächlich über Umwege auf Samhain zurück, auf das keltische Fest des Erntedanks. Das irisch-gälische Wort Samhuinn heißt "Ende des Sommers". (Die oft zu findende Information, es sei der Name eines Totengottes, stimmt wohl nicht.) Das keltische Jahr orientierte sich an Saat und Ernte und endete nach unserem Kalender Ende Oktober. Die Nacht vor dem Beginn des neuen Jahres war eine Zwischenzeit, in der Magie und religiöse Rituale - die wie in allen archaischen Kulturen eng zusammenhingen - eine besondere Kraft hatten.
Auch die Geister der Toten hatten in dieser Nacht die Möglichkeit, in die Welt der Lebenden zu kommen und sich der Menschen zu bemächtigen. Man musste sich durch rituelle Vorsichtsmaßnahmen dagegen schützen. Man löschte die Herde in den Häusern und zündete große Feuer im Freien an, um die Dunkelheit und damit die Totengeister fernzuhalten. Die Menschen trugen abschreckende Masken und machten Lärm. Nach anderen Quellen waren es die Priester, die in Masken umhergingen und Gaben von den Menschen forderten. Von daher könnte es eine Verbindung zum späteren Heischebrauch geben. Über die vorchristliche keltische Religion ist jedoch wenig Sicheres bekannt. Nach anderen Berichten buken die Menschen Brot und legten es am Rand der Siedlungen nieder, um die Geister versöhnlich zu stimmen. Manche Autoren führen den Brauch "trick or treat" darauf zurück.
Mit Halloween werden heute keine heidnischen Götter geehrt
Aber wie wurde aus all dem Halloween? Im Grund genauso, wie aus der heidnisch-germanischen Wintersonnwende Weihnachten wurde, und aus dem Fest der Fruchtbarkeitsgöttin Ostara das Osterfest. Das kirchliche Fest Allerheiligen wird seit dem 13. Mai 609 gefeiert; an dem Tag wurde das Pantheon in Rom der Jungfrau Maria geweiht. Aus dem Tempel der vielen Götter wurde dadurch eine christliche Kirche. Papst Gregor III. verlegte das Fest aller Heiligen im achten Jahrhundert auf den 1. November, und sein Nachfolger Gregor IV. machte es zu einem Fest der ganzen Kirche. Damit sollte der heidnische Festtag ersetzt und mit einem christlichen Sinn gefüllt werden: Die jenseitige Welt, die Heiden fürchten, ist aus christlicher Sicht die unsichtbare Welt Gottes, in der die Heiligen auf die Vollendung aller Dinge warten und Fürsprache für die Lebenden einlegen. Der Abend vor Allerheiligen wurde dadurch zu "all hallows eve" und auf einem sprachlich nicht genau nachvollziehbaren Weg zu Halloween.
Einige heidnische Bräuche wurden in Irland beibehalten, so wie auch Ostern und Weihnachten Reste heidnischen Brauchtums aufweisen. Es kam der alten Kirche nicht auf die Ausrottung des Brauchtums an, sondern auf seine christliche Deutung. Die Iren, bei denen sich Halloween tausend Jahre lang entwickelte, sind ebenso lange oder länger ein christliches Volk. Von daher ist die Vorstellung abwegig, mit Halloween (oder Weihnachten oder Ostern) würden heute noch heidnische Götter geehrt. Halloween hat in den USA keinen religiösen Sinn mehr, auch die historische Beziehung zu Allerheiligen ist inzwischen bedeutungslos. Es handelt sich um Mummenschanz, um ein Spiel mit dem angenehmen Gruseln, das Dunkelheit und Tod auslösen, solange sie uns nicht zu nahe kommen.
Dürfen Christen Halloween feiern?
Die Frage, ob Halloween von Christen gefeiert werden kann, ist eine Frage von der Art, wie sie Paulus gestellt wurde (Römer 14): "Kann ich als Christ Fleisch essen, das aus Tempelopfern stammt?" Paulus antwortet bekanntlich darauf, dass man als Christ alle Freiheit habe, dass diese Freiheit aber durch die Liebe eingeschränkt werde - unter anderem durch die Liebe zu den Mitchristen, die Bedenken haben. Ob man Halloween feiert oder nicht, ob man sein Kind zur Halloween-Party des Kindergartens gehen lässt oder nicht, ist eine Frage der Verantwortung gegenüber den beteiligten Menschen. Ist Halloween in diesem oder jenem Fall ein fantasievolles Spiel, ist es ein Anlass, dümmliche Gruseleffekte zu inszenieren, ist es nur wieder neuer Kommerz oder ist es fröhlicher Mummenschanz? An der Antwort sollte unser Tun und Lassen sich ausrichten.
Quelle: Dr. Hansjörg Hemminger (Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Wüttemberg), Halloween: Gruselfest aus Amerika | Dez. 2003






