Menschen vom Fließband?
Das Klonen menschlicher Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen ist ein Irrweg
Menschliche Stammzellen, wie sie im Februar 2004 in einem südkoreanischen Versuch gewonnen wurden, versprechen Heilungschancen, sind aber mit vielen medizinischen und ethischen Risiken verbunden.
Aldous Huxley hat in seinem Zukunftsroman "Schöne neue Welt" düstere Visionen von geklonten Menschen entworfen. Mit dem ersten menschlichen Klon, der in Südkorea hergestellt wurde, wird ein Teil seiner phantastischen Erzählung von der Realität eingeholt.
1993 hat erstmals Jerry Hall menschliche Embryonen künstlich geteilt und dadurch vervielfacht, d. h. geklont. Er isolierte aus Embryonen im 2-, 4-, und 8-Zellstadium einzelne Zellen, die er in einer entkernten Eizelle mit Hilfe von Nährlösung kultivierte. Hall arbeitete jedoch mit mehrfach befruchteten Eizellen, die nur bis zu einem gewissen Teilungsstadium lebensfähig sind. Hall hat das Experiment bewusst an dieser Stelle abgebrochen.
Vom therapeutischen Klonen zum reproduktiven Klonen?
Die in Südkorea hergestellten Klone wurden ähnlich wie beim Schaf Dolly gewonnen. Die Forscher haben Patientinnen ausdifferenzierte Zellen entnommen. Die Erbinformation dieser Zellen wurde in entkernte Eizellen übertragen. Die so kombinierte Eizelle wurde dann zur Teilung angeregt. In wenigen Fällen ist das geglückt, sodass Stammzellen entnommen werden konnten. Diese Stammzellen können sich in alle Zelltypen des Körpers weiterentwickeln, beispielsweise in Muskel- oder Hirnzellen.
Das "therapeutischen Klonen" will genau diese Möglichkeit, krankes Gewebe zu ersetzen, nutzen. Allerdings ist die "Erfolgsquote" sehr gering. In Korea wurden 242 Eizellen gebraucht, um 30 Blastozysten (in deren Innern die Stammzellen wachsen) und letztendlich eine einzige Stammzelllinie zu gewinnen. Deshalb ist eine Anwendung unverantwortlich. Zudem ist keine Grenze zum reproduktiven Klonen zu ziehen, bei dem die Geburt eines erbgleichen Individuums beabsichtigt wird.
Die Württembergische Evangelische Landessynode hat deshalb schon im April 1997 gefordert: "Selbst wenn das deutsche Embryonenschutzgesetz das Klonen von Menschen verbietet, besteht die Gefahr, dass die Methode in anderen Ländern akzeptiert wird. Die Landessynode fordert die Bundesregierung sowie die Abgeordneten des Europaparlamentes deshalb auf, für eine internationale Ächtung des Klonens von Menschen einzutreten."
Dr. Hans-Hermann Böhm
Umweltbeauftragter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
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Fon: (07 11) 20 68 - 2 53
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