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Vesperkirchen


Eine Kirche wird zum Zuhause

In den zahlreichen Vesperkirchen in Baden-Württemberg erhalten Bedürftige in den Wintermonaten warmes Essen, finden menschliche Zuwendung und treffen auf Menschen aller Gesellschaftsschichten.


Die Vesperkirchen bieten bedürftigen Menschen nicht nur ausreichend Verpflegung und ein warmes Plätzchen in der kalten Jahreszeit, sondern auch medizinische und praktische Hilfe und menschliche Zuwendung. Ehrenamtlich arbeitende Ärzte sind im Einsatz, Besucher können sich kostenlos die Haare schneiden lassen, Tierärzte kümmern sich um die Haustiere der Gäste. Andachten und kulturelle Angebote, beispielsweise kostenlose Konzerte, machen die Vesperkirchen zum Ort der Begegnung für Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten.


Vesperkirchen sind grundsätzlich zeitlich befristet: sie finden nur in den Wintermonaten statt, und zwar direkt in der Kirche. Die Kirchenräume werden zu Ess- und Aufenthaltsräumen umgebaut, Bereiche für den Ausschank von Getränken und die Ausgabe von Essen werden geschaffen. Entstanden ist die Idee 1995 in Stuttgart. Das Konzept überzeugte – viele Gemeinden griffen die Idee auf: heute gibt es in Baden-Württemberg mehr als 20 solcher Angebote. Vesperkirchen finanzieren sich ausschließlich aus Spenden und basieren hauptsächlich auf dem Engagement von Ehrenamtlichen.

Landesbischof Frank Otfried July hebt die Bedeutung der Vesperkirchen hervor: „In einer Gesellschaft, in der sich Politiker auf dem Rücken von Hartz IV-Empfängern, sozial Schwachen und Arbeitslosen profilieren wollen, ist es besonders wichtig, dass die Kirche eindeutig Stellung bezieht. Wir stehen auf der Seite der Armen und Benachteiligten. Ein deutliches Symbol für diese Parteinahme für Menschen in schwierigen Lebenslagen ist die Vesperkirche“.


Mit diesem Bibelwort aus dem fünften Buch Mose grüßen wir alle Besucherinnen und Besucher und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Vesperkirchen. In den Vesperkirchen sind die Tische für alle reichlich gedeckt. Auch Menschen mitwenig Geld können hier ein schönes Essen genießen und Gemeinschaft  erfahren, ohne dass sie sich als arm zu erkennen geben müssen. Menschen allen Alters und aus verschiedenen Lebenswelten kommen hier zusammen und miteinander ins Gespräch. Erfreulich ist, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung in den Vesperkirchen mitarbeiten. Es ist gut, dass Kirchengemeinden mit ihren Vesperkirchen solche Orte der Begegnung schaffen. Sie setzen damit ein Signal in ihrer Stadt, Menschen mit wenig Geld in den Blick zu nehmen und sich bewusst zu machen, dass immer mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können, weil ihnen das Geld dazu fehlt.Vesperkirchen setzen damit auch ein politisches Zeichen im Sinne des Wortes aus dem fünften Buch Mose, für die Armen Partei zu ergreifen und für politische Reformen einzutreten – beim Niedriglohn, bei Hartz IV, bei der Rente und nicht zuletzt bei der Besteuerung von Einkommen, Vermögen und Finanztransaktionen.Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Vesperkirchen, die esmöglich machen, dass auch in diesem Winter wieder über 20 Vesperkirchen ihre Türen öffnen können. Wir danken allen Spenderinnen, Spendern und Sponsoren. Und wir danken allen Gästen, die durch ihre Besuche auch dieses Jahr ihre Verbundenheit mit den Vesperkirchen zum Ausdruck bringen.

Ihr Landesbischof Dr. h.c. Frank Otfried July und
Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Diakonisches Werk Württemberg

  


Zum Herunterladen

Übersicht über die Vesperkirchen im Land 2011/2012 [PDF, 37 KB]


(Wieder)Eintritt in die Kirche
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