Amoklauf in Winnenden

Zentrale Trauerfeier des Landes Baden-Württemberg am 21. März

Nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen fand am Samstag, 21. März um 11 Uhr in der Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden eine ökumenische Trauerfeier mit anschließendem Staatsakt statt. Der Gottesdienst sowie der Staatsakt wurden in Stuttgart in der evangelischen Stiftskirche und in der katholischen Domkirche St. Eberhard übertragen. Zuvor läuteten ab 10.45 Uhr in ganz Württemberg die Kirchenglocken. 


In der ökumenischen Trauerfeier und dem anschließenden Staatsakt in der katholischen Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden haben am Samstag Angehörige der Opfer des Amoklaufs von Winnenden und Wendlingen von den Toten Abschied genommen. Die Trauerfeier, die von Bischof Gebhard Fürst und Landesbischof Frank Otfried July im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Günther Oettinger gestaltet wurde, wurde ebenso wie der Staatsakt auf öffentlichen Plätzen sowie in Kirchen und Gemeinderäumen im Rems-Murr-Kreis und in Stuttgart übertragen. Mehrere zehntausend Menschen haben die Übertragung verfolgt.

July: "Der Tod hat nicht die letzte Macht"
Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July drückte in seiner Predigt seine Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer aus. „Der Riss der vergangenen Tage bleibt, die Trauer, der Schmerz. Viele schlimme Bilder stehen vor dem inneren Auge“, sagte July. „Die Todesbilder dieser Welt, die wir so oft sehen müssen und die sich jetzt unter uns ereignet haben, haben nicht die letzte Macht“, betonte der Bischof. Der Bibelvers „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen“ spreche direkt in die Sprach- und Trostlosigkeit dieser Welt. Das öffentliche Trauern zeige den Angehörigen, den Menschen in Winnenden, Wendlingen und den benachbarten Orten „Ihr seid nicht allein“. „Es waren und sind Tage, in denen wir nur Bruchstücke einsammeln und vor Gott hinhalten können“, so der Bischof. „Da stehen die flackernden Kerzen, die Namen und Bilder derer, deren Lebenslauf jäh zu Ende ging – abgebrochen wurde. Wir bringen diese Leben vor Gott.“ July sagte weiter: „Wir schweigen auch den Täter, Tim K. nicht tot.“ Abgeschieden von den Opfern werde auch dieses Bruchstück eines Lebens vor Gott gestellt. Die Bruchstücke, alles Ausgesprochene und Unausgesprochene, alle Trauer, alle Rachegedanken, all das gelte es, vor Gott auszusprechen. July rief auch dazu auf, darauf zu achten, welchen Bildern Kinder und Jugendliche ausgesetzt seien. „Wir haben  in dieser Gesellschaft miteinander Verantwortung, welche Bilder öffentlich werden und prägen, welchen Bildern unsere Kinder und Jugendlichen begegnen und welchen Erfahrungen. Wir haben miteinander die Verantwortung, welche Verhaltensweisen unter uns Platz ergreifen. Kehrt um, wo falsche Bilder und falsche Verhaltensweisen unter uns sind.“ July gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern eines Tages wieder über Bilder des Lebens und der Hoffnung sprechen können.

Fürst: "In der Liebe Gottes geborgen"
Seine Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer brachte auch Bischof Gebhard Fürst in seiner Predigt zum Ausdruck. Es sei jetzt noch nicht die Zeit, fertige Antworten zu geben oder gar Rezepte für künftiges Verhalten zu formulieren. „Jetzt ist die Zeit, Trauer, Schreien und Klagen zuzulassen und all dem Raum zu geben“, sagte Bischof Fürst. Jetzt sei aber auch Zeit, einander Zeichen der Verbundenheit und Nähe zu geben. Den Notfallseelsorgern, Sanitätern, Psychologen, Polizeibeamten und vielen anderen Helfern danke er dafür, dass sie solche konkrete Zeichen der Nähe gegeben hätten, betonte der Bischof. Gott antworte aber auch auf diese Klagen und verspreche, eine neue Zeit heraufzuführen. „Die Zukunft bei Gott ist nicht die Verlängerung des Leidens, nicht die ewige Fortsetzung aller Fragen und die unendliche Kette unserer Ausweglosigkeiten“, so Bischof Fürst. Direkt an die Trauernden gewandt sagte er: „Besonders Sie, die Sie so leiden unter dem Schmerz des Verlustes, können hoffen: Ihre Kinder, Ihre Kolleginnen, Ihre Angehörigen sind jetzt schon in den offenen Armen Gottes aufgenommen, sie sind gehalten von seiner Liebe und sind bei ihm schon jetzt geborgen.“ Für viele sei es schwer, jetzt diesen Trost anzunehmen, betonte Bischof Fürst. Es handle sich aber nicht um eine billige Vertröstung. „Der Ernst der Gegenwart und die schrecklichen Taten werden nicht ausgeblendet und verdrängt.“ Gott wisse um die Tränen, die Trauer und die Anklage der Menschen, er sehe den Schmerz, das Leid und die Not. Er habe es aber überwunden, weil er den Tod selbst getragen und in neues Leben gewandelt habe. „Gott weiß selbst um unseren Tod – er trägt ihn mit uns“, so der Bischof; „Gott kommt uns entgegen auf den schweren Wegen dieser Tage.“
 
 
Predigt des evangelischen Württembergischen Landesbischfs Frank Otfried July am 21. März 2009 in Winnenden [PDF, 120 KB]
 
Ablauf der Trauerfeier am 21. März 2009 in der Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden [PDF, 108 KB]
 
Ablauf der Trauerfeier mit Übertragung aus Winnenden am 21. März 2009 in der Stuttgarter Stiftskirche [PDF, 12 KB]


www.kirchenfernsehen.de

Das Trauma verarbeiten

Das Trauma verarbeiten

Nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen ist vor der Albertville-Realschule in Winnenden ein wahres Blumen-und Kerzenmeer entstanden. Täglich wird es größer. Viele Menschen kommen zum Schulgelände, um zu trauern, innezuhalten und um zu beten. Manche versuchen dadurch ihre Trauer zu verarbeiten. Im Gespräch mit Roland Kachler, von der...Beitrag ansehen
 

www.kirchenfernsehen.de

Gedenkgottesdienst aus der Schlosskirche in Winnenden

Gedenkgottesdienst aus der Schlosskirche in Winnenden

Am Tag nach der schrecklichen Tat in Winnenden haben sich über tausend Menschen in und vor der evangelischen Schlosskirche in Winnenden zu einem Gedenkgottesdienst zusammengefunden. Diesen ökumenischen Gottesdienst mit dem katholischen Bischof Gebhard Fürst und dem evangelischen Regionalbischof Hans-Dieter Wille durfte das evangelische...Beitrag ansehen
 

Online-Kondolenzbuch des Landes liegt auf

Für Beileidsbekundungen und zum Ausdruck des Mitgefühls mit den Angehörigen und Freunden der Opfer des Amoklaufs an der Albertville-Realschule in Winnenden und in Wendlingen wurde auf dem Landesportal Baden-Württemberg unter www.baden-wuerttemberg.de/kondolenz ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet. Die dort über das Internet eingehenden Beiträge werden gesammelt an die Schule bzw. die betroffenen Städte weitergeleitet und eine Auswahl davon auf dem Landesportal veröffentlicht.

www.kirchenfernsehen.de

Video Botschaft zum Amoklauf in Winnenden

Video Botschaft zum Amoklauf in Winnenden

?Wie konnte das bei uns geschehen?? und ?Warum?? So lauten die Fragen nach dem Amoklauf in Winnenden. Landesbischof Frank Otfried July greift in seiner neuen Videobotschaft diese Fragen auf. Er macht Mut, der Sprachlosigkeit Raum zu geben, dem Klagen, dem Fragen. Mehr Informationen: Amoklauf in Winnenden: Hilfe vor OrtBeitrag ansehen
 

Seelsorgerlichen Beistand gibt es bei der Telefonseelsorge: 0800 1110111.
 
Zum Gedenken an die Opfer fand am Mittwoch, 11. März, ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St.Karl Borromäus in Winnenden mit Landesbischof Frank O. July und dem katholischen Weihbischof Thomas M. Renz statt, an dem mehrere hundert Menschen teilnahmen.
 
Am ökumenischen Gottesdienst am Donnerstag, 12. März, in der Schlosskirche mit dem katholischen Bischof Gebhard Fürst und dem evangelischen Regionalbischof Hans-Dieter Wille nahmen ebenfalls über tausend Menschen teil.
 
Am Freitag, 13. März, fanden in Weiler zum Stein, in Wendlingen und Denkendorf ökumenische Trauergottesdienste statt, an denen hunderte von Menschen teilnahmen.


Mehr zum Thema
Hilfe und Gebet zum Thema Trauern mit den Hinterbliebenen
auf den Seiten des Dezernats 2 des Evangelischen Oberkirchenrats, Referat Religionsunterricht, Schule und Bildung
Predigt Landesbischof Frank Otfried July
Ökumenischer Gottesdienst in der St.-Karl-Borromäus-Kirche Winnenden am 11. März 2009 [PDF, 70 KB]
Begrüßung von Prälat Hans-Dieter Wille
Zu Beginn des Trauergottesdienstes in der Schlosskirche Winnenden am 12. März 2009 [PDF, 12 KB]
Predigt von Dekan Eberhard Gröner
in der evang. Kirche in Weiler zum Stein am 13. März 2009 [PDF, 20 KB]
Predigt von Landesbischof Frank Otfried July
anlässlich der zentralen Trauerfeier in Winnenden am 21. März 2009 [PDF, 120 KB]

Rundfunkpfarrer Andreas Koch

Glaube ich

Am Mittwoch ein Land unter Schock. Donnerstag ein Tag der Besinnung. Und Freitag und die folgenden Tage? Versuch einer Rückkehr in den Alltag. Aber nicht einmal die üblichen Gags im Radio können darüber hinwegtäuschen: Nach Winnenden und Wendlingen ist dieser Alltag ein anderer. mehr Link zu ...


Kultusminister Helmut Rau

Grußwort von Kultusminister Rau auf der Tagung der Landessynode

Auf der Frühjahrstagung der Landessynode im Stuttgarter Hospitalhof sprach der baden-württembergische Minister für Kultus, Jugend und Sport, Helmut Rau, auch über den gestrigen Amoklauf in Winnenden. mehr Link zu ...


www.kirchenfernsehen.de

Das Tatmotiv ist weiter unklar

Das Tatmotiv ist weiter unklar

In einer Pressekonferenz hatte die Polizei in Waiblingen erste Hinweise auf mögliche Motive des Amokläufers bekannt gegeben. Demnach soll der 17-Jährige wenige Stunden vor seiner Tat eine Ankündigung ins Internet gestellt haben. Doch nun kommen Zweifel an der Echtheit des Eintrags auf. Die Betreiber des Chatforums wiesen die Behauptung zurück....Beitrag ansehen
 

Kalenderblatt


Service


Lob und Tadel


Linktipps


Hilfe für Missbrauchsopfer


Zum Bildungsportal der Landeskirche